12 Monate Ausstieg – und was mich in die Zukunft katapultiert hat

Heute vor einem Jahr habe ich meinen Dienst im öffentlichen Dienst quittiert. Was in der Zwischenzeit passiert ist, kann ich getrost als Achterbahnfahrt bezeichnen. Von der Überzeugung durch blühende Landschaften zu wandern bis zu Gedanken daran „ins Amt“ zurückzukehren, war alles dabei.

Ich werde darüber schreiben, aber heute möchte ich davon erzählen, wie mich ein kleiner Schritt um Lichtjahre in die Zukunft katapultiert hat. Viele meiner Bemühungen und Ideen waren lehrreich, aber was mich wirklich „Back-to-Track“ oder vielleicht besser „Back-to-Future“ geführt hat, war …

… eine Weiterbildung bei der IHK!!!

Ja ich weiß – es klingt komisch – ist aber so! Die Industrie- und Handelskammer bietet umfangreiche Weiterbildungen an. Manche sind mehr – manche weniger gut. Aber es geht auch gar nicht um die IHK.

Es geht darum, dass ich nach meinem Ausstieg angefangen habe, Seminare und Trainings als freiberuflicher Trainer und Coach zu geben und es lief auch ganz gut an. Schnell das erste Teamtraining, das erste Coaching und eine freiberufliche Anstellung bei einer Agentur in Köln. Es ist ein unfassbar schönes Gefühl eine Rechnung mit einem vierstelligen Betrag zu schreiben – aber auch kein schönes Gefühl, wenn einige Wochen nichts reinkommt. Insgesamt war es doch eher zäh und ich gehöre auch nicht zu den Menschen denen die „marktschreierischen Fähigkeiten“ in die Wiege gelegt wurden.

Irgendwas fehlte noch

Neben vielen sehr schönen Stunden mit meinen drei Kindern war mir natürlich eines klar: Spätestens nach den Sommerferien muss ich Vollgas geben, sonst bleibe ich irgendwo zwischen Hausmann und Trainertätigkeit stecken.

Ich habe in meinem früheren Beamten-Beruf viel in Projekten gearbeitet und war ein sehr erfolgreicher Produktmanager (In meinem 4-Perspektiven-Artikel beschreibe ich, dass meine eigentliche Tätigkeit mir sehr gelegen hat, es aber das System und das Umfeld war, was mich gestört hat). Und so habe ich mich monatelang um die Frage herumgedrückt, ob ich mich in diesem Bereich weiterbilden will oder nicht.

Du kennst das sicher, wenn Engelchen und Teufelchen in deinem Kopf Ping-Pong spielen. Gewonnen hat das Engelchen. Und so habe ich mich nach vielen Monaten des Hin- und Her endlich zur IHK Weiterbildung „Agiler Projektmanager“ angemeldet. 1290€ waren gezahlt. Viel Geld, wenn dein Cash-Flow meist darunter liegt.

Es hat gefunkt!

Ich mache es kurz und ich erkläre auch nicht was agiles Projektmanagement ist, denn es ist für dich vollkommen egal. Du kannst „agiles Projektmanagement“ also getrost durch alles ersetzen, was dir Spaß macht.

Ich ging also zum ersten von sechs Terminen, saß bei brüllender Hitze bei der IHK in Köln und dachte:

>>> Genau das will ich machen <<<

Vielleicht kennst du diese Momente, in denen du merkst – das ist es! Wenn die Dinge aus sich heraus einen Sinn ergeben und du alles wie ein riesiger Staubsauger aufsaugst. Überall waren Verknüpfungspunkte zu Dingen, die ich in den letzten Jahren gemacht oder gelernt hatte. Und das, was ich früher gemacht habe und in dem ich sehr gut war, war jetzt in einem neuen Kontext auch wieder sehr attraktiv.

Parallel hatte ich angefangen mich auf XING immer mehr in diese Richtung umzuschauen. In meiner Nähe ist die Telekom und DHL und Köln liegt vor der Tür. Klar, irgendwo könnte ich unterkommen. Aber wollte ich das?

Nein, in einen großen Konzern wollte ich momentan tatsächlich nicht. Zu groß war die Angst wieder ins nächste Hamsterrad einzusteigen. Außerdem wollte ich natürlich meine parallel aufgebaute Trainertätigkeit nicht wieder aufgeben. Also was tun?

Irgendwas muss es doch geben?

Und dann kam da so eine unscheinbare Stellenausschreibung von einer kleinen Firmenberatung in Bonn. Meine Bewerbung war eine in einem Stück runtergeschriebene E-Mail – keine Hochglanz PDF – einfach nur eine E-Mail. Ich erfüllte dabei überhaupt nicht die Anforderungen: „Mehrere Jahre Erfahrung im agilen Umfeld“ – ich hatte einen popligen IHK-Kurs (den ich noch nicht mal abgeschlossen hatte).

Aber ich hatte Leidenschaft und das war zu lesen – das wurde mir bei meinem Vorstellungsgespräch auch explizit gesagt: „Sonst säßen sie jetzt nicht hier!“

Mein IHK-Zertifikat war noch nicht getrocknet, da war ich schon zum Kennenlernen auf dem ersten „Teamtreffen“ um zu schauen, ob die Chemie stimmt. Am Tag danach tätigte ich die Aussage „ich könnte mir eine Zusammenarbeit vorstellen“ – die Gegenseite auch. Wiederum einen Tag später verabschiedete ich mich in den dreiwöchigen Sommerurlaub. Kurz nach meiner Rückkehr unterschrieb ich den ausgehandelten Vertrag.

Seit 01.09. bin ich wieder fest angestellt. Zu 60% – denn ich wollte meine freiberufliche Tätigkeit nicht aufgeben. Ich arbeite jetzt also angestellt als agiler Coach, freiberuflich als Trainer und „selbstständig“ an montagsfieber.de. Und das fühlt sich momentan extrem gut an.

By-the-way: Thema Selbstständigkeit

Ich wurde natürlich gefragt, ob ich meine Anstellung nicht als Rückschritt oder Niederlage sehen würde – Nein!

Denn mein Ziel war nicht die „Selbstständigkeit“ an sich. Ich will machen, was mir Spaß macht, ob ich dabei angestellt oder freiberuflich unterwegs bin, ist mir erstmal egal. Ich habe noch wenige Tage vor meinem Abgang zu einem Kollegen gesagt: „…vielleicht bin ich in einem Jahr auch wieder angestellt!“.

Du kannst als selbstständiger „selbst“ und „ständig“ sein oder das beste Leben haben. Du kannst als Angestellter im Hamsterrad stecken oder unter traumhaften Bedingungen mit großartigen Menschen zusammenarbeiten.

Die Frage ist also für mich nicht: angestellt oder selbstständig? Die richtige Frage ist: „Wie will ich arbeiten und mit wem?“ Und die Antwort darauf kann jeder nur für sich selbst finden.

Die Kosten für die IHK-Weiterbildung habe ich mit meinem ersten Gehalt schon wieder locker drinnen. Doch der eigentliche Nutzen – und das ist das eigentlich Learning – der ist wiedermal unbezahlbar.

Wenn du deinen Weg gehst, dann werden sich Türen öffnen, von denen du nicht wusstest, dass es sie gibt.

Ich hatte mich innerlich gesträubt, noch mal über 1000€ für eine Weiterbildung auszugeben, von der ich nicht wusste, ob sie mir etwas bringt. Rückblickend war genau das das Katapult in die Zukunft.

>>> Things finally fall into place <<<

Alle meine bisherigen Weiterbildungen und Erfahrungen im Bereich Mediation und Coaching lassen sich perfekt mit meiner neuen Tätigkeit kombinieren, obwohl das nie „generalsstabsmäßig“ so geplant war. Ich habe einfach immer und immer wieder den nächsten Stein umgehauen und plötzlich bin ich genau dort gelandet, wo ich jetzt gerade hingehöre. Und langweilig wird es dort sicher nicht, denn auf dem Weg zu meinem „Hin zu“  gibt es noch viele Dinge zu erleben.

Und du?

Das ist meine Geschichte. Du kannst sie nicht kopieren, aber sie kann dir als Inspiration dienen. Und deshalb rate ich dir:

  • Bilde dich fort!!! Das sage ich immer wieder: Bilde dich in Bereichen fort, die dich interessieren, auch wenn es momentan „nutzlos“ erscheinen mag.
  • Mache das, was dir Spaß macht. Nimm dir einen Nebenjob, gehe auf Seminare, mache ein Praktikum – es werden Türen aufgehen, die du nicht kanntest.
  • Sprich Menschen an, die das machen, was du dir auch vorstellen könntest. Viele werden dir gerne weiterhelfen.
  • Mache Dinge, vor denen du Schiss hast und die du dich bisher nicht getraut hast. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie den stärksten Effekt haben.
  • Werde aktiv. Wenn du das machst, was du immer machst, wird sich nichts ändern.
  • Gehe kleine Schritte, sodass du immer wieder korrigieren kannst. Aber bleibe nicht stehen! Und wenn du stehen geblieben bist, dann geh den nächsten Schritt.

Vor vier Monaten war noch viel Nebel um mich und irgendwas hat gefehlt. Heute bin ich wieder voll auf Linie und sauge alles Neue auf, wie ein Staubsauger.

Mit dem Katapult in die Zukunft!!!

Du kannst das auch – hau den ersten Stein um!!!

Moritz

4 Kommentare zu „12 Monate Ausstieg – und was mich in die Zukunft katapultiert hat“

  1. Lieber Moritz,

    vielen Dank, dass du uns darüber auf dem Laufenden hältst, wie es mit dir und deinem beruflichen Werdegang weitergeht nach deinem mutigen Entschluss, aus dem System auszusteigen.

    Die Entscheidung, die du getroffen hast (zu 60 Prozent angestellt in einem Bereich, der dir auch richtig Spaß macht und ansonsten freiberuflich/selbständig tätig) ist, so denke ich persönlich, für einen Ausstieg aus dem Beamtenverhältnis das Ideal überhaupt – man verfügt über ein geregeltes Einkommen und ist krankenversichert (denn wie teuer die KV eigentlich ist, merken die meisten Leute ja erst, wenn sie freiberuflich tätig werden!).

    Auf diese Weise hast du eine sehr gute Basis, um deine Selbständigkeit auf feste Füße zu stellen und gegebenenfalls auszubauen. Super, ich freue mich für dich!

    In einem anderen Forum hat eine (noch verbeamtete) Lehrerin übrigens ein ganz ähnliches Modell vorgestellt, das sie so für sich selbst plant: Sie will aus dem Beamtenstatus aussteigen, um dann für im Angestelltenverhältnis zu arbeiten; nebenher will sie eine Selbständigkeit aufbauen.

    Sie schreibt, in ihrem Bundesland würde sie als Beamtin aufgrund des Lehrermangels keine Stundenermäßigung mehr gewährt kriegen, während sie als Angestellte ihre Stundenzahl selbst bestimmen kann.

    Als Angestellte hat sie dann auch mehr Spielraum für den Aufbau ihrer Selbständigkeit, weil sie da nicht ständig mit dieser Nebentätigkeitsbestimmung für Beamte kollidiert (Beamte dürfen ja nur 4 Stunden pro Woche nebenberuflich tätig sein, allerdings ist das, soweit ich es weiß, in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt.)

    Auf jeden Fall alles Gute dir weiterhin, mit herzlichem Gruß

    von Gerti

  2. Hallo Gerti,
    schön das du schreibst.
    Als BeamtIn kannst du in fast allen Ländern 20% von Vollzeit (bei Lehreren werden 40Stunden angesetzt) arbeiten – also 8 Stunden. Aber darum geht es hier ja glaube ich nicht.
    Ja du hast recht – ich denke auch das ein Überbrückungsjob die richtige Alternative ist, wenn man die Selbstständigkeit anstrebt. Nicht ins kalte Wasser springen, sondern langsam verändern. – Ich hab mich allerdings nicht an meinen eigenen Rat gehalten, sondern hatte mich selbstständig gemacht 🙂
    Ich für mich habe aber heute keinen Überbrückungsjob – ich mag dieses Zeug und so wie es jetzt ist, kann es gerne bleiben.
    Danke dir und weiterhin alles gute auf deinem Weg!
    LG Moritz

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