Ein oft gehörter Einwand, wenn es um “Kündigung als Beamter” geht, ist die Umwandlung der eigenen Pensions- in Rentenansprüche. “Du verlierst die Hälfte deiner Pensionsansprüche!” ist dann zu hören.

Dabei gilt diese Einschränkung längst nicht mehr für alle Beamte in Deutschland. Mittlerweile haben sechs Bundesländer und der Bund Regelungen zum so genannten Altersgeld eingeführt. Diese sollen die Durchlässigkeit zwischen öffentlichem Dienst und der freien Wirtschaft verbessern.

Leider werden Beamte über die Möglichkeit des Altersgeldes noch viel zu selten oder gar nicht informiert und so kennen viele zweifelnde Beamte diese Regelung immer noch nicht. Selbst auf Anwaltsportalen wird zum Thema Altersgeld noch geantwortet, dass nur der Bund, Baden-Württemberg und Niedersachsen, entsprechende Regelungen hätten. Auch ist es ein Märchen, dass Bundesbeamte besser gestellt wären

Daher habe ich in diesem Artikel die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der bestehenden Altersgeldregelungen zusammengefasst. Alle Informationen sind natürlich ohne Gewähr, sie dienen lediglich als eine erste Informationsgrundlage. Alle, die sich mit einer beruflichen Neuorientierung beschäftigen, sind angehalten, sich bei diesem wichtigen Thema selbst bei der für sie zuständigen Stelle zu informieren.

Alle Bundesländer, die hier nicht auftauchen, haben keine Altersgeldregelung. Hier gilt nach wie vor, dass bei freiwilligem Ausscheiden aus dem Beamtenverhältnis in die Rentenkasse nachversichert wird (hierzu wird es demnächst einen eigenen Artikel geben).

Am Ende des Artikels findest du eine Sammlung relevanter Links für das jeweilige Bundesland.

Was ist Altersgeld?

Freiwillig ausscheidende Beamte, Richter und Soldaten können auf eigenen Antrag unter bestimmten Voraussetzungen den Erhalt von Altersgeld anstelle der bisher obligatorischen Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung in Anspruch nehmen.

Ihre bisherigen Pensionsansprüche werden also nicht in Renten- sondern in Altersgeldansprüche umgewandelt. Dabei fallen die Verluste in aller Regel deutlich geringer aus. Wie hoch die „Mitnahme“ der Ansprüche ausfällt und wie sich das Altersgeld berechnet, liest du gleich.

Wo gibt es Altersgeldregelungen?

Die Altersgeldregelung gibt es in

  • Baden-Württemberg
  • Niedersachsen
  • Hessen
  • Sachsen (bis zum 31.12.2018)
  • Hamburg (bis zum 31.12.2019)
  • Bremen
  • und beim Bund

Eine Besonderheit sind Sachsen und Hamburg. Diese haben die Altersgeldregelung zunächst zeitlich begrenzt eingeführt. Vermutlich, um den Prozess evaluieren und notfalls wieder leichter abschaffen zu können. Eine Linksammlung findest du am Ende.

Welche Bedienstete haben Anspruch auf Altersgeld?

Hier unterscheiden sich die Regelungen im Detail. Die genannten Bundesländer gewähren Altersgeld bereits nach 5 Dienstjahren. Der Bund erst nach 7 Jahren Beamten-Zugehörigkeit (davon 5 im Bundesdienst).

Was sind altersgeldfähige Dienstzeiten?

Im Prinzip sind das Zeiten im Beamtenverhältnis oder vergleichbare Zeiten. Für den Großteil der Beamten ist das also die Zeit von der Ernennung zum Beamten (auf Widerruf) bis zum Entlassungszeitpunkt. Bei den Männern wird in bestimmten Fällen der Wehrdienst auch noch angerechnet. Teil- und Erziehungszeiten werden anteilig berechnet. Bei komplizierteren Konstellationen und häufigen Wechseln muss aber genau geprüft werden, ob ein Altersgeldanspruch besteht oder nicht.

Wie hoch fällt das Altersgeld aus?

Auch hier hat der Bund wieder die “beamtenunfreundlichste” Regelung.

Während die Länder die Pensionsansprüche zu 100% in Altersgeldansprüche umwandeln, sind es beim Bund nur 85%. Dies soll natürlich den Anreiz mindern, tatsächlich zu gehen. Allerdings haben Bundesbeamte oft ein höheres Gehalt als Landesbeamte, so dass sich das etwas ausgleicht.

Überall gleich ist, dass das Altersgeld für jedes Jahr altersgeldfähiger Dienstzeit 1,79375 Prozent der altersgeldfähigen Dienstbezüge beträgt, insgesamt jedoch max. 71,75 Prozent. (Das sind die gleichen Werte wie bei den Pensionsansprüchen)

Wie die Pensionsansprüche bezieht es sich auf die letzten ruhegehaltsfähigen Dienstbezüge.

Beispiel 1:

Ein Oberkommissar des Bundes (A10) verlässt nach 10 Jahren den öffentlichen Dienst. Dabei hat er zuletzt 3500 € brutto verdient.

Daher ergibt sich die Gleichung:

[10 (Jahre) x 1,79375%] x 3500 € x 85% (wegen Bund) = ca. 535 €

Er hat für seine 10 Jahre Dienstzeit also 535 € Altersgeldanspruch für den Ruhestand erarbeitet. Nun hat er noch ca. 30-35 Jahre Zeit weitere Rentenansprüche aufzubauen oder privat vorzusorgen.

Sollte dieser Oberkommissar hingegen 41 Dienstjahre “voll machen”, würde er beim Erreichen der A13 eine Beamtenpension von ca. 3300€ erhalten.

Beispiel 2:

Eine Oberstudienrätin (A14) aus Baden-Württemberg verlässt nach 20 Jahren den öffentlichen Dienst. Dabei hat sie zuletzt 5200 € brutto verdient.

Daher ergibt sich die Gleichung:

[20 (Jahre) x 1,79375%] x 5200 € = ca. 1850 €

Sie hat für ihre 20 Jahre Dienstzeit also 1850 € Altersgeldanspruch für den Ruhestand erarbeitet.

Wie wird das Altersgeld beantragt?

In der Regel muss die Inanspruchnahme der Altersgeldregelung VOR dem Ausscheiden aus dem Beamtenverhältnis schriftlich beantragt werden. Hier gibt es aber Unterschiede (z.B. in Hessen)! Daher sollte jeder potenzielle Interessent unbedingt die jeweils geltende Regelung studieren!

Es empfiehlt sich, Altersgeld zeitgleich mit der Bitte auf Entlassung in einem extra Schreiben zu beantragen. Ist die Entlassung erfolgt, kann oftmals rückwirkend kein Altersgeld beantragt werden.

Und so sah das bei mir aus. Achtung, wenn du kein Bundesbeamter bist, muss du natürlich die Gesetzesnorm anpassen oder einfach weglassen.

In Baden-Württemberg wird für viele jüngere Beamte (Verbeamtung nach 01.01.2011) aber z.B. automatisch die Altersgeldregelung angewendet. In Hessen ist mir hingegen ein Fall zu Ohren gekommen, bei dem zur Nachversicherung in der Rente “aufgefordert” wurde, obwohl Altersgeldanspruch bestand. Eine Nachversicherung in der Rente hätte zu finanziellen Nachteilen geführt. Hier also Vorsicht und unbedingt die genaue Regelung studieren!

Übersicht über die Altersgeldregelungen

Hier kommen nützliche Links für das jeweilige Bundesland. Ich habe jeweils den für mich umfassendsten Link genommen. Natürlich auch hier noch mal nachprüfen, ob du noch weitergehende Informationen zu deinem Bundesland findest und gerne in den Kommentaren verlinken.

  • BW: Anspruch nach 5 Jahren Dienstzeit, 100% der Pensionsansprüche, mehr Infos
  • NS: 5 Jahre, 100%, mehr Infos
  • HE: 5 Jahre, 100%, mehr Infos
  • SN: 5 Jahre, 100%, mehr Infos, Regelung zeitlich beschränkt bis zum 31.12.2018.
  • HH: 5 Jahre, 100%, mehr Infos, Regelung zeitlich beschränkt bis zum 31.12.2019.
  • HB: 5 Jahre, 100%, mehr Infos (im Gesetz ab §83)
  • Bund: 7 Jahre (5 Jahre im Bundesdienst), 85%, mehr Infos

Eine allgemein interessante Quelle (vor allem für Bundes-, aber auch für Landesbeamte um ins Thema einzusteigen) ist auch dieses Verdi-Interview.

Was ist mit den anderen Bundesländern?

In dem ein oder anderen Bundesland findet man Hinweise auf Initiativen z.B. für NRW oder auch Bayern. Ich verlinke hier aber bewusst nicht. Denn in NRW ging 2016 eine Initiative von der FDP aus. Im jetzigen Koalitionsvertag zwischen FDP und CDU ist aber von Altersgeld keine Rede mehr. Wann hier also tatsächlich gesetzliche Änderungen auf den Weg gebracht werden (sollen), steht in den Sternen. Es macht also aus meiner Sicht keinen Sinn, über Eventualitäten nachzudenken.

Zur Sicherheit kannst du aber natürlich gerne “Altersgeld [Dein Bundesland] googeln.

Meine persönliche Meinung:

Vor meiner Entscheidung zu gehen (beschrieben im Artikel: Mein Weg zur Kündigung als Beamter) hatte ich von der Altersgeldregelung noch nie etwas gehört. Sie hat für mich damals keine Rolle gespielt. Ich habe erst davon erfahren, als ich mich mit der Kündigung als Beamter auseinandergesetzt habe. Ich profitiere zwar davon, wäre aber auch ohne sie gegangen.

Auf mich trifft ungefähr der Fall aus Beispiel 1 zu. Würde ich meine gehobene Dienstlaufbahn weiterführen, müsste ich mir (gesetzt dem Fall unser Renten- und Pensionssystem bleibt so lange bestehen) keinerlei Gedanken über mein Ruhegehalt machen. Trotzdem habe ich mich gegen diesen Weg entschieden.

Doch das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt gute Gründe im Beamtenverhältnis zu bleiben und es gibt gute Gründe es zu verlassen. Ich bin ein Fan davon auf den Bauch zu hören. und dann den Kopf für die Umsetzung zu benutzen

Zum Schluss:

Das Altersgeld erleichtert es auch vielen dienstälteren Beamten, sich noch einmal neu zu orientieren. Es wird aber natürlich nie das alleinige Kriterium für oder gegen einen Ausstieg sein. Insbesondere muss immer auch auf die Regelungen rund um die Krankenversicherung geachtet werden, da der Beihilfeanspruch nach dem Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis entfällt.

Alle Informationen wurden von mir sorgfältig zusammengetragen. Ich würde mich freuen, wenn der Artikel mit eurer Hilfe wachsen würde. Solltest du Ungenauigkeiten oder sogar Fehler finden, korrigiere diesen Beitrag doch bitte in den Kommentaren. Auch wenn du über weiter Informationen verfügst, würde ich mich über ein Kommentar freuen!

Was sind deine Erfahrungen mit Altersgeld? Kennst du jemanden, der noch im hohen Alter die Verbeamtung aufgegeben hat? Was würdest du dir in diesem Zusammenhang noch wünschen? Schreib auch das gern in die Kommentare.

Hau den ersten Stein um!

Moritz

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

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