Raus aus der Täter-, Opfer- und Heldenhaltung! Konflikte besser verstehen und neue Lösungsansätze entwickeln.

Das Drama-Dreieck beschreibt die uralte Beziehung zwischen Tätern, Opfern und Helden. Die Stereotypen des bösen Fieslings, des armen Opfers und des kühnen Helden wurden bereits tausende Male kopiert.

Und auch in der heutigen Zeit nutzen wir dieses Grundmuster in unserer täglichen Interaktion in der Familie, im Bekanntenkreis und im Beruf. Schnell sehen wir uns selbst in der Opfer- oder Heldenrolle und andere als Täter.

Diese Muster beeinflussen unser Handeln in den jeweiligen Situationen. Sehen wir uns selbst als Opfer, reagieren wir mit anderer Energie als in der Rolle des Helden (oder auch Helfer genannt). Gleichzeitig werden dem vermeintlichen Täter böse Absichten und die alleinige Schuld zugesprochen. Was wir selbst zu einem Konflikt beitragen, wird oft nicht gesehen oder relativiert.

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Sehen wir uns daher zunächst die einzelnen Rollen an:

Täter (Verfolger):

In der Täterrolle stellst du dich selbst über den anderen. Du bist besser, schlauer, stärker als dein Gegenüber und hast daher das Recht zu urteilen, zu kritisieren oder körperlich zu werden. Du bist okay. Dein Gegenüber ist nicht okay.

Gerade dieses unbewusste oder bewusste Über-/Unterordnungsverhältnis legitimiert scheinbar deine Kritik am anderen. Neben dem Gegenüber wird dadurch aber auch der eigene Drang nach Harmonie klein gehalten. Ein echter friedvoller Austausch wird unterbunden. Da du der Bessere bist, hat der andere sich „gefälligst nach dir zu richten“.

Opfer:

Als Opfer machst dich selbst klein. Dein Gegenüber ist scheinbar übermächtig. Du bist dem Täter, dem Chef, dem System hilflos ausgeliefert. Neben deinem eigenen Stellenwert redest du auch dein eigenes Konfliktlösungspotenzial klein. „Ich kann mir ja sowieso nicht helfen!“.

Da du dich so hilflos fühlst, wartest du entweder darauf, dass der Täter von alleine aufhört oder auf einen Helden, der dich rettet. Dabei kannst du dich wunderbar in deiner passiven Haltung verstecken. Denn du als Opfer musst ja nicht aktiv werden. Nach dem Motto „Das muss einfach mal jemand …!“ – Nur du, du musst nicht.

Diese Rolle kann auch manipulativ eingesetzt werden: wenn z.B. jemand beim kleinsten Konflikt feuchte Augen bekommt und dem Gegenüber damit die „Täter-Rolle“ zuschiebt.

Held (Helfer):

Als Held hingegen beherrscht du das Feld. Du weißt um die vermeintlich Hilflosigkeit des Opfers und die bösen Absichten des Täters. Du allein trägst auch die Konfliktlösungskompetenz in dir. Du weißt was Opfer und Täter zu tun haben.

Dabei stellst du dich aber leicht selbst über das Opfer, das du als wehrlos ansiehst. Du läufst auch Gefahr, es eventuell mit deiner Hilfe zu übertreiben. Gute Hilfe ist immer Hilfe-zur-Selbsthilfe. Löst du selbst einen Konflikt für das vermeintliche Opfer, ist es nun vorübergehend in Sicherheit, nur um beim nächsten Konflikt wieder in Abhängigkeit und Hilflosigkeit zu geraten.

Deshalb ist es in der Helferrolle nicht wichtig, für andere Konflikte oder schwierige Situationen zu meistern. Sondern die anderen in die Lage zu versetzen, dieses selbst zu tun. Ein guter, kompetenter Helfer hat also eher die Rolle eines Mentors und weniger die des Problemlösers.

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Dabei können die verschiedenen Rollen innerhalb der gleichen Situation dynamisch gewechselt oder auch vollkommen anders erlebt werden. Ein Täter sieht sich selbst als Opfer. Ein Held wir plötzlich als Täter angesehen, attackiert und selbst zum Opfer. Ein Opfer übertreibt es so mit seiner Wehleidigkeit, dass es von den anderen nur noch als nervig und als Täter wahrgenommen wird.

Der Weg aus dem Drama-Dreieck:

Diese Muster zu erkennen und auch das eigene Verhalten zu hinterfragen, ist ein wichtiger Schritt, um aus dieser Struktur auszubrechen, seine Überzeugungen anzupassen und das Verhalten langfristig positiv zu verändern.

Dabei geht es nicht darum, diese drei Rollen nicht mehr ausfüllen zu wollen. Sondern es geht darum, aus einem gesunden Gleichgewicht heraus adäquat in verschiedenen Situationen reagieren zu können.

Wann ist z.B. „konfrontative Täter-Energie“ nützlich? In welchen Situationen muss ich mich klar gegenüber anderen abgrenzen? Was will ich mir auf keinen Fall gefallen lassen? Wann ist es gesund für mich, meinen Emotionen Raum zu lassen?

Wann hingegen ist meine Hilfsbereitschaft nötig? Und wie kann ich jemand anderem so helfen, dass er vergleichbare Situationen zukünftig alleine lösen kann? Welche Impulse kann ich setzen, damit vergleichbare Konflikte zukünftig erst gar nicht entstehen (können)? Wann ist meine Hilfe nicht nötig?

Und wann ist es gut und gesund, mir meine eigen „Hilflosigkeit“ einzugestehen und  jemand anderen um Hilfe zu bitten. Was hat es für Vorteile für mich – aber auch für mein Umfeld -, wenn ich in der Lage bin um Hilfe zu bitten.

Zusammenfassung:

Letztlich ist das Drama-Dreieck ein hervorragendes Modell, um Konfliktsituationen zu beschreiben und zu verstehen. Dabei ist das Kennen und das Erkennen der Rollen eine gute Voraussetzung für dein Aussteigen aus dem Kreislauf aus immer neuen Schuldzuweisungen.

Das kritische Hinterfragen deiner eigenen Rolle in einem Konflikt oder einer schwierigen Situation ebnet dir den Weg, dein Verhalten und deine Überzeugungen anzupassen und adäquater reagieren zu können. Dadurch können bestehende Konflikte beigelegt und zukünftige Konflikte vermieden werden.

Interessante Fragen, um dir die Rollen noch einmal selbst zu vergegenwärtigen und dein eigenen Verhalten zu hinterfragen, findest du hier.

Wie erlebst du dich selbst in den unterschiedlichen Rollen? Und in welchen Lebensbereichen (Job, Familie, Freizeit) übernimmst du welche Rollen? Was hilft dir die entsprechenden Rollen zu erkennen, sie gesund auszufüllen oder gegebenenfalls daraus auszusteigen?

Hau den ersten Stein um!

Moritz

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

Alle Bilder von unsplash.com oder privat