Geht’s dir ähnlich wie mir: Ich war zwar jahrelang unzufrieden mit meinem Beruf, habe aber trotzdem lange nicht ernsthaft in Erwägung gezogen, den entscheidenden Schritt zu gehen. Zu hoch war der vermeintliche Preis, den ich hätte zahlen sollen.

Und so blieb ich in einem System, von dem ich eigentlich schon wusste, dass ich dort nicht zufrieden sein kann. Und auch wenn mir objektiv klar war, dass ich mir das alles selbst ausgesucht hatte, habe ich mich subjektiv wie ein Opfer gefühlt.

Wie eine Fahrt in einem alten Gefängnisbus, dessen Ziel du nicht kennst. Aber du weißt, du hast lebenslänglich.

Doch was konnte ich schon machen? Was konnte ich schon ausrichten? Zu strikt die Vorgaben, zu eng die Ketten, zu hoch die Hürden, um wirklich etwas zu verändern.

Und klar, irgendwie mag das jeder von uns schon einmal gehört haben: „Du musst deine Opferhaltung aufgeben!“ oder Ähnliches.

Ja, das ist richtig, aber was bedeutet das? Ist das System nicht übermächtig? Haben wir als Einzelner da überhaupt eine Chance?

Ist das nicht so, dass wir Opfer sind und das System der Täter?

Erst als ich vor vielen Monaten einen Bekannten über das Drama-Dreieck sprechen hörte, hat es bei mir „Klick“ gemacht:

Wir sind keine Opfer! Wir haben es uns selbst ausgesucht! Und wir können jederzeit gehen, wenn wir bereit sind, den Preis zu zahlen!

Was ist das Drama-Dreieck!

Kennst du die Grundhandlung praktisch jeder Heldensage? Sie geht in etwa so: Der böse Fiesling entführt die arme Prinzessin und der kühne Held erscheint, um den Fiesling zu strafen und die Prinzessin zu heiraten.

Dieses Zusammenspiel gibt es in leichten Variationen in tausenden von Geschichten und Filmen. Es wiederholt sich immer wieder, auch in unserem täglichen Leben.

Genau dieses Zusammenspiel nämlich: fieser Täter, armes Opfer und mutiger Held/Helfer, hat jemand sehr Schlaues das Drama-Dreieck genannt. Drama, weil es eben die Grundlage jedes echten Dramas ist. Und Dreieck, weil jede der drei Rollen mit der jeweils anderen interagiert und ohne die anderen ziemlich nackt dastehen würde.

Was wäre schon ein Fiesling ohne Opfer oder ein Opfer ohne Fiesling und wozu bräuchte man einen Helden ohne Fiesling oder Opfer.

Was bedeutet das Drama-Dreieck für uns selbst?

Das Drama-Dreieck beschreibt genau diese Polarisierung in schwarz und weiß, in gut und böse. Die Einteilung in Täter, Opfer und Helfer.

Die Rollen sind natürlich fließend und wechseln, je nachdem, aus welcher Richtung du auf eine Situation schaust.

Wie der „böse Chef“, der sich selbst von seinen Mitarbeitern gemobbt fühlt, weil er glaubt sie hintergehen ihn und sie gerade deshalb besonders stark kontrolliert.

Die Theorie hinter dem Drama-Dreieck besagt, dass, je nachdem in welcher Rolle ich mich selbst sehe, ich sowohl bestimmte Verhaltensmuster übernehme als auch anderen bestimmte Verhaltensmuster zuschreibe.

Das gilt sowohl für Konflikte als auch für persönliche Lebensbereiche, wie zum Beispiel dem Beruf.

Der Täter:

Zunächst zum Täter. Nur selten gestehen wir uns diese Rolle selbst ein.

Andere sehen wir aber gerne schnell in dieser Rolle. Entweder Personen (der fiese Chef, die gemeinen Kollegen) oder gleich ganze Systeme (Das System engt mich ein, die Bürokratie erdrückt mich).

Dabei schreiben wir ihnen negative Eigenschaften zu. Klar, der Täter ist meist mächtig, manchmal sogar übermächtig und nutzt diese Macht für seine (bösen) Interessen.

Das Opfer:

Diese Rolle hat natürlich automatisch die schwächste Position. Wenn du sie inne hast, dann leidest du z.B. unter einer Situation, für die du vermeintlich nichts kannst. Du wirst von anderen, gegen die du dich nicht wehren kannst, unterdrückt oder zu Unrecht angegriffen. Du bist hilflos, das Böse ist zu übermächtig.

Das Fatale an dieser Rolle ist aber, dass wir uns auch wunderbar dahinter verstecken können.

Du das Opfer! Ich das Opfer! Was können wir schon alleine ausrichten?

Wir laufen Gefahr, uns in Abhängigkeit von anderen zu begeben. Opfer bleiben passiv!

Der Held:

Diese Rolle ist optional, sie taucht nicht immer auf. Gleichzeitig gefällt sie mir aber besonders gut. Denn der Held ist der Rächer und Beschützer der Armen. Das ist gut!

Die Gefahr ist jedoch dabei zu übertreiben und Menschen mit Hilfe zu beglücken, die sie gar nicht wollen. Nicht mehr Hilfe zur Selbsthilfe ist das Credo, sondern Hilfe als Selbstzweck, etwa um selbst besser dazustehen. Aber darum geht es hier nicht.

Denn das viel Schlimmere an dieser Rolle ist, dass wir viel zu oft selbst auf einen Helden warten. Wir als Opfer können uns ja nicht helfen. Aber es muss doch jemand kommen, der unser Potenzial erkennt, für uns einsteht und uns aus unserer Misere errettet. Wir sind passiv. Der Held soll aktiv sein!

Das Drama

Wenn wir nun also die Rolle des Opfers übernommen haben, dann bleiben auch wir passiv. Natürlich nicht komplett und in alle Bereichen. Aber im Großen und Ganzen warten wir auf den rettenden Helden. Sonst wären wir ja kein Opfer! Die Prinzessin, die dem Fiesling selbst den Kopf abschlägt, ist gewiss kein Opfer, sondern eine Heldin.

Um diesen Teufelskreis zu verlassen, müssen wir dem Drama-Dreieck abschwören und unsere Opferrolle ablegen.

Was hilft uns das Drama-Dreieck?

Das Drama-Dreieck – es ist der Transaktionsanalyse entliehen – aufzulösen, kann eine hochkomplexe Angelegenheit sein. Manchmal sind die Strukturen seit Jahren eingefahren und natürlich hilft es da wenig, wenn einer daherkommt und sagt: „Steig einfach aus!“.

Aber gerade für unsere Situation, nämlich die der unzufriedenen Beamten, kann es schon eine bahnbrechende Erkenntnis sein, dass wir uns allzu leicht in genau einem solchen Drama-Dreieck bewegen.

Wir als vermeintliche Opfer dieses schlechten Systems!

Ja, das System krankt!

Der Staat zeigt jeden Tag, wie wenig ihm seine Mitarbeiter wert sind!

Sven Böll, Liebes Opfer, dumm gelaufen
Spiegel 28/2017

Ja, all das stimmt.

Und wer hat sich trotzdem dafür entschieden? Wer hat sich das damals trotzdem aus irgendwelchen Gründen ausgesucht?

Wir! Oder?

Wir haben den Goldenen Käfig gewählt. Und es steht uns frei, ihn jederzeit wieder abzuwählen. Dafür müssen wir einen Preis zahlen.

Warten auf den Bus?

Viel zu viele übernehmen die Rolle des Opfers und sehen den Staat, die Chefs, das System in der Rolle des übermächtigen Gegners.

Doch wie wir eben schon gesehen haben, ist die Rolle des Opfers passiv. Das Opfer gibt sich seinen Peinigern hin und wartet – und das ist das Schlimme – auf einen Helden.

Und solange wir in der Opferrolle stecken, hoffen wir auf Input von außen. Wir fügen uns unserem Schicksal und warten darauf, dass jemand kommt und uns sagt, wo es lang geht oder zumindest lang gehen könnte.

Aber seit spätestens heute wissen wir, dass wir keine Opferrolle mehr brauchen. Denn das System ist kein Täter! Es ist so, wie es ist und wir können es entweder akzeptieren oder eben gehen?

Denn der Öffentliche Dienst ist eben gar kein Gefängnisbus, sondern ein alter verrosteter amerikanischer Schulbus.

Diese Kisten sind lahm, aber gleichzeitig halt auch nicht kleinzukriegen. Du wirst an der Motorleistung und auch dem ohrenbetäubenden Quietschen nichts ändern können. Und auch die Fahrtroute ist strikt vorgegeben und der Fahrer nicht immer freundlich. Dafür weißt du, dass dieser Schulbus auch in zehn Jahren noch auf dieser Route fährt.

Aber aus diesem Bus können wir einfach aussteigen, wenn es uns nicht mehr passt. Sitzen bleiben und nur meckern ist jedenfalls keine hilfreiche Alternative.

Das System ist kein Täter, es ist alt und überholt. Und du und ich, wir wissen das!

Was nun?

Also kein Täter und daher auch kein Opfer. Und damit brauchen wir auch keinen rettenden Helden.

Wir können uns natürlich jeder beliebigen Hilfe bedienen. Dabei geht es aber um die innere Einstellung: bleibst du passiv oder wirst du aktiv?

Dieser Schritt – einzusehen, dass ich für mein (Berufs-)Leben selbst verantwortlich bin – war für mich der entscheidende Befreiungsschlag. Viel zu lange habe ich auf eine Art Helden gewartet (Nach dem Motto: „Es muss doch jemanden geben, der diesen Irrsinn beendet!“). Doch den brauchst weder du noch ich. Sobald wir einsehen, dass wir es sind, die diese Situation gewählt haben, können wir sie vollkommen frei auch wieder abwählen.

Wir müssen ja jetzt auch nicht gleich überstürzt irgendwo im Nirgendwo aussteigen. Vielleicht macht es sogar Sinn noch ein paar Stationen mit der alten Kiste mitzufahren. Aber wenn sich eine günstige Gelegenheit ergibt, dann ist es so weit. Dann sollten wir umsteigen.

Viele von uns wollen weg. Aber sie wissen nicht wohin. Wenn es dir auch so geht, dann werde aktiv. Frage nicht andere: „Was kann ich tun!“, sondern frage dich selbst: „Was will ich tun!“

Mach dich auf die Suche nach einem neuen “Hin-zu” – nach einem Ziel! Wohin willst du? Welcher Bus ist der richtige!

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, das ist mir klar. Aber beginnen kannst du heute damit. Ein erster Schritt dabei ist, dir vollkommen klar zu machen, dass einzig und allein du dieses “Hin-zu” finden kannst. Andere können Tipps geben, aber du selbst musst losgehen.

Du selbst kannst dir den Weg besser weisen, als jeder noch so gut gemeinte Ratschlag von außen!

Barbara Sher

Du weißt, an welcher Haltestelle du aussteigen und wie du dann weiter kommen willst.

Warte also nicht auf einen Helden! Du bist kein Opfer des Systems, sondern ein (unzufriedener) Fahrgast davon!

Du bist es, auf den du immer gewartet hast!

Hau den ersten Stein um und werde aktiv!

Moritz

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PS: All Life is yours! – Das Leben gehört dir!

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Wenn du dein Leben heute leben willst, dann komm zu unserem Retreat vom 31.05.bis 02.06. in der Nähe von Bonn!

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

Alle Bilder von unsplash.com oder privat