Vielleicht kennst du auch das Bild vom Papagei im Vogelkäfig, der von der Katze beobachtet wird. Sein Gefängnis ist auch sein einziger Schutz, um nicht sofort attackiert zu werden. Doch gleichzeitig hält es ihn davon ab, die schöne weite Welt zu erkunden. Und mal ganz ehrlich: genauso geht es uns doch auch, oder?

Es liegt in der Natur des deutschen Beamten, auf hohem Niveau zu jammern und sich über alles und jeden zu beschweren. Doch auch wenn das Beamtendasein schlimm ist – so schlimm wie im Vogelkäfig ist es dann doch wieder nicht.

Und trotzdem kommen sich viele von uns immer häufiger eingesperrt vor. Als ob du nicht frei über dein Leben entscheiden könntest. Als wenn es etwas gäbe, dass dich einerseits schützt und gleichzeitig von einem Leben in Freiheit abhält.

Kennst du ihn – diesen Goldenen Käfig?

Er besteht auch nicht aus Holz oder Metall und er ist nicht abgeschlossen und eigentlich könntest du jederzeit hinaus. Aber die Angst von der Katze gefressen zu werden, hält uns immer wieder davon ab.

Doch woher kommt dieses Gefühl des „Eingesperrtseins“ überhaupt?

Woher kommt der Goldene Käfig?

Schon immer haben die Herrscher ihre Verwalter mit besonderen Privilegien ausgestattet, um sich der Treue ihrer Untertanen sicher sein zu können. Denn selbst ein König kann die ganze Arbeit ja nicht alleine machen. Er braucht Leute, die seinen Machtanspruch für ihn durchsetzen, während er Jagen oder Unzucht treiben geht. Im Gegenzug für diese Privilegien schwören die Untertanen ihrem Herrscher die Treue und verwalteten dessen Reich. Das war bei den Chinesen vor 3.000 Jahren schon so und auch bei den Römern und allen anderen.

Wikipedia verrät uns, dass unser “modernes” Berufsbeamtentum von Friedrich Wilhelm I.  gegründet wurde. Der gute Mann ist 1740 gestorben, das ist also alles schon etwas her. Und trotzdem hat sich da bis heute nicht so wahnsinnig viel daran geändert.

Auch die Beamten von heute schwören noch ihre Treue, verwalten den Staat und werden dafür ein Leben lang alimentiert.

Ein Herrscher, oder auch ein Staat, sollte also selbst wenn er noch so habgierig ist, immer schauen, dass es seinen Beamten besser geht als dem gemeinen Pöbel auf der Straße. Denn wenn der Beamte nichts mehr davon hat, dass er sich seinem Herrscher verpflichtet, dann wird er es sich mit seinem Treueschwur nochmal überlegen.

Dieses Commitment gilt bis heute. Im Prinzip muss es dem Beamten immer ein bisschen besser gehen als seiner “Vergleichsgruppe” (also z.B. Leuten mit dem gleichen Bildungsniveau oder ähnlichem) in der freien Welt. Und dazu hat der Staat, wie wir ihn seit Mitte des letzten Jahrhunderts nennen, ein wunderschönes Potpourri an Vergünstigungen zusammengetragen, die dem Beamten ein vergleichsweise angenehmes Leben ermöglichen.

Der rationale Teil des Goldenen Käfigs:

  • Da ist zunächst natürlich mal die Lebenszeitverbeamtung. Keine Angst um den Arbeitsplatz und keine Sorgen um die Zukunft. Während die anderen in Krisenzeiten um ihren Job bangen müssen oder ihn sogar verlieren, kann dir absolut nichts passieren. Komme was wolle aber du bleibst auf Lebzeiten geschützt. Du weißt genau was passiert und kannst dir heute schon ausrechnen was du in fünf Jahren mindestens verdienen wirst. Und eins ist auch klar, selbst wenn die Zeiten schlechter werden sollten, den Beamten wird es immer ein bisschen besser gehen, als so vielen anderen da draußen.
  • Dann das Gehalt: Es kann natürlich nicht mit den Spitzengehältern aus der Wirtschaft mithalten, aber im Vergleich zum Durchschnitt der jeweiligen Gruppe ist es auch nicht so schlecht. Klar, der Schulfreund, der Informatik oder BWL studiert hat, bringt inzwischen vielleicht das zweieinhalbfache mit nach Hause. Vielleicht aber auch nicht und wenn du dich mit dem Schulfreund vergleichst, der einen Pflegeberuf ergriffen hat, kannst du zufrieden sein. Durch die Erfahrungsstufen bekommt man sowieso alle paar Jahre mehr Geld und auch Familien- und Verheirateten-Zuschläge gibt es. Und im Gegensatz zu den Angestelltenverhältnissen weißt du, dass das für den Rest deines Lebens so sein wird.
  • Als nächstes die Beihilfe zur privaten Krankenversicherung. Privatpatient – Ein Traum! Kein langes Warten auf Termine, manchmal sogar einen eigenen Wartebereich. Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung und der Staat zahlt mal mindestens 50% davon. Dazu dann noch die 70% für die Kinder und sogar die Ehepartner sind in manchen Teilen noch mit abgedeckt.
  • Die berühmten Beamtenpensionen, lassen dich auch im hohen Alter noch mehr nach Hause bringen als so manchen hart arbeitenden Familienvater. Und auch hier ist dein Ehepartner mit abgesichert, falls dir mal was passieren sollte.
  • Die Teilzeitmöglichkeiten sind – je nachdem wo du bist – ebenfalls ein Traum. Wer wüsste das besser als ich, mit drei Kindern, dreimal Elternzeit und vier verschiedenen Teilzeitmodellen in den letzten sechs Jahren. Für mich war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf absolut top.
  • Die Aufstiegsmöglichkeiten sind auch da, auch wenn es hier von Dienstherr zu Dienstherr natürlich sehr unterschiedlich aussieht. Beim BUND war es so, dass im Prinzip jeder über die Jahre immer ein bisschen höher auf der Leiter gehoben wird. Im Vergleich zu so manchem ärmeren Bundesland oder Kommune geht an diesem Punkt die Schere aber doch deutlich auseinander. Mit seinem Einstiegsamt muss in der Regel aber keiner in Pension gehen.

Das und noch ein paar andere Sachen sind die Privilegien, die das Beamtentum von vielen anderen Berufen da draußen abgrenzen. Klar, du verdienst nicht top aber dafür bist du sicher und hast so manch andere Vergünstigung. An sich ist das ja auch gut so und auch Firmen geben ihren Mitarbeitern oft Privilegien, um sie bei Laune zu halten. Zum Käfig wird das Ganze erst dann, wenn du eigentlich gehen möchtest, dich die Vergünstigungen aber subjektiv zum Bleiben zwingen.

Denn klar überlegst du es dir sehr genau, ob du dein sicheres Gehalt wirklich hergeben möchtest. Wie ist das eigentlich genau mit der Nachversicherung in der Rentenversicherung und was ist dieses Altersgeld, von dem manche sprechen? Und wie ist das mit der Krankenversicherung?

Aber ist es nur das, was uns drinnen hält? Oder gibt es vielleicht noch etwas Anderes?

Der emotionale Teil des Goldenen Käfigs?

Das war der rationale Teil des Goldenen Käfigs. Das, was uns so spontan einfällt, wenn wir über die Vorteile des Beamtentums nachdenken. Ich glaube aber, wir machen es uns etwas zu einfach, wenn wir nur diesen Teil betrachten.

Denn was hat uns denn bisher geprägt? Die Schule hat uns darauf vorbereitet, anderen zu dienen. Oder war ich der einzige, der den Kurs: “Wie werde ich erfolgreicher Unternehmer und Querdenker?” leider verpasst hat?

Die Ausbildung läuft in der Regel auf einen Job in dem jeweiligen Betrieb oder der Behörde raus. Im Studium wird man auf Jobs vorbereitet, nicht darauf sein eigenes Ding zu machen. Und auch der Rest der Gesellschaft ist eher darauf getrimmt, irgendwo unterzukommen, als selbst das Ruder in die Hand zu nehmen.

Und damit meine ich jetzt gar nicht unbedingt die Selbstständigkeit. Ich meine ein selbstbestimmtes Leben, egal ob verbeamtet, angestellt oder selbstständig.

Ich finde es einfach unendlich schade, dass es “normal” und “erstrebenswert” ist, einen sicheren Job zu bekommen. Und alles andere unvernünftig und riskant sein soll.

Genau diese Einstellung ist es aber, die so viele von uns blockiert. Sie spiegelt sich in Sätzen wieder, wie: “Arbeit muss keinen Spaß machen!”, „Ich wurde so erzogen, für mein Geld hart zu arbeiten!“, „Mach was vernünftiges, Kind!“, „Selbst und ständig“, „Arbeit ist Arbeit und Freizeit ist Freizeit!“, „Es gibt auch wieder bessere Zeiten!“. Oder Sätze wie: „einmal Beamter, immer Beamter!“, “woanders ist auch Kacke!” oder einfach nur dem Wort “Sicherheit!”.

Das sind diese typischen Prägungen, die seit Jahrhunderten mitgeschleppt werden und von Generation zu Generation vererbt werden. Der Wunsch der Eltern, dass die eigenen Kinder etwas handfestes, etwas vernünftiges machen. Dass es ihnen mal irgendwann besser geht, als einem selbst.

Und wo haben diese Sätze viele von uns hingebracht? Sie sind unglücklich mit ihrem Beruf und vom Zynismus zerfressen und glauben nicht mehr daran, dass es schon irgendwann wieder besser wird. Sie haben innerlich gekündigt, sitzen im Käfig und hoffen trotzdem, dass die Katze draußen sie nicht frisst.

Diese Einstellung, ich nenne sie mal kulturelle Prägung, hat enorme Macht über uns. Denn selbst wenn wir so weit sind, dass wir den goldenen Käfig erkannt haben, hält er uns noch auf eine viel subtilere Art weiter gefangen.

  • Da ist zunächst mal, die pure Trägheit. Denn jetzt bist du schon mal hier und hast all diese Privilegien, dann kannst du sie doch auch behalten. Die Alternative ist unsicher und ungewiss. Vielleicht wirst du dich finanziell erst mal verschlechtern und anstrengen musst du dich wahrscheinlich auch mehr. Da ist es absolut nachvollziehbar, wenn du einfach bleibst, wo du bist. Und die Kündigungsgedanken immer weiter auf morgen verschiebst.
  • Dann die Angst vor dem Imageverlust. Du wärst dann einer von denen, die ihren sicheren Job hergeben, um das zu machen, was sie wollen. Was werden die anderen sagen? Bist du dann ein Träumer? Und was passiert, wenn du scheiterst? Werden sie dich dann auslachen und sagen: “Ich hab’s ja immer gesagt?”

Wie werden deine Eltern und Kollegen reagieren, wenn du sie in deine Pläne einweist. Und was ist mit deinem Partner. Was wird er oder sie von dir denken?

  • Und dann natürlich die Angst vor dem Chaos. Ohne sicheren Job wirst du dein Leben, deine Familie und alles verlieren und am Ende in der Gosse enden. Es droht Hartz IV und die Suppenküche.

Puh, da bleibst du doch sicher auch lieber hier, bei solch düsteren Aussichten, oder?

Natürlich ist das alles totaler Quatsch und objektiv wissen wir das. Aber Zuhause im stillen Kämmerlein, da fürchten wir uns dann eben doch vor der Katze. Dann bleiben wir lieber da, wo wir warm und trocken sitzen.

Ich glaube, dass uns dieses Sammelsurium an Prägungen und Ängsten noch stärker beeinflusst als die Vorteile des Beamtentums selbst. Und es ist unglaublich schwer, sich entweder davon zu trennen oder sich selbstbewusst darüber zu erheben.

Wie können wir den Goldenen Käfig verlassen?

Der einfachste Weg raus aus dem Goldenen Käfig, ist es einen Job angeboten zu bekommen, bei dem du mehr verdienst als davor, der sozial mal mindestens so gut angesehen wird und als sicher eingestuft wird, wie dein Beamtenjob.

Lust bekommen? Dann greif zu!

Solltest du zu denen gehören, denen ein solches Glück nicht beschieden ist, gibt es noch mindestens einen weiteren Weg nach draußen. Der ist nur leider etwas schwieriger.

  • Voraussetzung Nummer 1 dafür ist, dass du dir vollkommen klar machst, dass die Privilegien nur dazu da sind, dich im Goldenen Käfig zu halten. Sie wurden nur dazu eingeführt, die Diener des Systems bei der Stange zu halten.

Denn wenn sie abgeschafft werden würden, dann würden sofort tausende von Beamte das System verlassen.

Es gibt die Privilegien des Beamtentums nur, damit Leute wie du und ich im System bleiben.

Sie sind nicht dazu da, um dir etwas Gutes zu tun oder dich zu belohnen. Sie sind nur dazu da, damit du nicht gehst. Punkt!

Sie sind der Käfig! Sie machen dir das Leben so angenehm, dass du die Freiheit dagegen eintauschst.

Wenn du das erkannt und auch wirklich verinnerlicht hast, kannst du dich viel leichter davon trennen. Die Privilegien gibt es nur, damit du auf deine Freiheit verzichtest und dem Staat treu dienst. Oder wenigstens so tust.

  • Voraussetzung Nummer 2 dafür, den Käfig zu verlassen, ist sich seine Angst genau davor einzugestehen. Denn dann kannst du auch damit umgehen. Was hält dich davon ab, zu gehen: die Trägheit? Die Sorge um Imageverlust (bei wem auch immer) oder die Angst vor dem Chaos? Oder alles drei?

Wenn du das weißt, dann kannst du darauf reagieren. Bekannten Ängsten kannst du begegnen oder ausweichen. Unbekannten nicht.

Als ich z.B. realisiert hatte, dass ich viel weniger Angst vor dem Chaos hatte, als Angst vor dem Imageverlust da hat sich mein Blick auf einmal deutlich geweitet.

Denn ich werde immer in der Lage sein, irgendwo genug Geld für meine fünfköpfige Familie zu verdienen (ja, meine Frau arbeitet auch). Aber vor meinen Kollegen, Verwandten, Freunden und Nachbarn diesen Schritt einzugestehen, ohne dass ich einen supertollen neuen Job an der Hand hatte, war für mich eine viel größere Hausnummer. (Das kann bei dir natürlich ganz anders sein!)

Wenn du also für dich realisiert hast, was deine Bremse ist, dann bist du bereit, den goldenen Käfig zu verlassen. Dann kannst du dich umschauen, was es sonst noch da draußen gibt.

Dann wirst du den kurzen Moment riskieren, in dem die Katze dich noch packen kann, bevor du in den Himmel aufsteigst.

Denn bekannte Hürden kannst du meistern, über die unbekannten stolperst du.

Der erste Schritt

Und keine Sorge, du musst den Käfig ja nicht sofort Hals über Kopf zu verlassen. Es geht erst mal darum, ihn überhaupt zu erkennen. Es geht darum, dir klar zu machen, dass es ihn gibt und dass du ihn jederzeit verlassen könntest. Und aus welchen Gründen du es bislang noch nicht tust.

Und eines ist auch ganz klar: wenn du ihn erst erkannt hast, dann kannst du dich immer noch entscheiden, ihn nicht zu verlassen. Du kannst ihn auch akzeptieren und dich aktiv und in voller Gegenwart deiner geistigen Kräfte für ein Leben im Käfig entscheiden. Das ist genauso dein Recht wie zu gehen.

Die schlechteste Alternative ist, sich einerseits für die Privilegien entscheiden zu wollen und sich anderseits dann über das schlechte System zu echauffieren. Denn merke: Die Privilegien sind nur dazu da, um dich im System zu halten. Du kannst beides nur zusammen haben.

Ich habe mich 2015 für ein Leben außerhalb des Goldenen Käfigs entschieden, obwohl ich noch nicht wusste, wohin ich fliegen würde. Mit der Umsetzung habe ich mir dann zwei Jahre Zeit gelassen. Ein bisschen Vernunft hatte ich dann doch noch!

Der Goldene Käfig ist stark, aber dich braucht das nicht aufzuhalten.

Hau den ersten Stein um und rüttel zur Probe mal ein bisschen am Käfig.

Moritz

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

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