Interview mit Lisa: aus dem Klassenzimmer ins Wohnmobil

Lisa war verbeamtete Lehrerin in Baden-Württemberg. Warum sie gekündigt hat, im Wohnmobil lebt und was ihre Träume und Ziele für die Zukunft sind, erfährst du hier.

Moritz: Hi Lisa, wo hast du heute Nacht geschlafen?

Lisa: Haha, in meinem Bett im Kastenwagen 🙂

Du hast schon, als du noch verbeamtete Lehrerin warst, lange Zeit in deinem Wohnmobil gelebt. Wie fühlt sich das an? Und vor allem, was haben die Kollegen und die Schüler dazu gesagt?

Im Wohnmobil zu leben, fühlt sich grundsätzlich einfach gut an. Es hat natürlich seine Höhen und Tiefen, Gründe, Vor- und Nachteile. Warum ich diesen Lebensstil gewählt habe, ist nochmal ein Thema für sich. Ich habe damit begonnen, während ich in der Türkei an einer Deutschen Schule arbeitete. Da ich Unterstützung bei den Formalitäten, ein Fahrzeug im Land zu haben, brauchte, war es keine Frage, dass es die Kollegen erfahren. Viele waren interessiert, erstaunt, manche konnten aber auch einfach nichts damit anfangen.

Lustig war ein Gespräch mit einer lieben Kollegin gegen Ende meiner Zeit dort:

„Ja Lisa, ich kann schon verstehen, dass du zurückgehst, das ist ja nix auf Dauer.“

„Wie, auf Dauer? Du bist doch auch dauerhaft hier in der Türkei und lebst allein?“

„Na, ich meine, dass du im Wohnmobil wohnst.“

Dann habe ich ihr erstmal erklärt, dass ich nicht vorhabe, DARAN etwas zu ändern 😉

Grundsätzlich sind aber viele, die an einer deutschen Schule im Ausland arbeiten, wohl allgemein etwas offener. Als ich dann in Deutschland meine Beamtenstelle antrat und im Gegensatz zur Türkei der Großteil meiner Kollegen ebenfalls Beamte waren, blieb das erstmal mein kleines Geheimnis.

Ich wollte ganz normal wahrgenommen werden und hatte keine Lust auf kritische Blicke à la: Hat sie wohl geduscht? Ist ihre Kleidung ordentlich?

Erstaunen und Neugier waren dann einige der Reaktionen, als es langsam durchsickerte. Die Schüler dort haben es nicht erfahren.

Die in der Türkei fanden es zum Großteil einfach cool und waren interessiert, Bilder von meinem rollenden Zuhause zu sehen.

Wie lange warst du denn letztlich verbeamtet und ab wann hast du gemerkt, dass etwas nicht stimmt? Schon im Referendariat?

Ich war nur ein Jahr verbeamtet. Schon bevor ich die Stelle antrat, hatte ich maximal fünf Jahre als Beamtin geplant. Als Beamter verdient man gut Geld, und nach all den sparsamen Jahren als Student und Referendar waren das tolle Aussichten: Fünf Jahre lang Geld ansparen zu können, um mir möglichst bald Träume wie ein Expeditionsmobil oder ein kleines Boot (anstelle des Wohnmobils) zu verwirklichen.

Wären die Umstände an der Schule andere gewesen, wäre ich meinem 5-Jahres-Ziel wohl auch nähergekommen – ich hätte länger „durchgehalten“. Meine Gesundheit und mein Spiegelbild vermittelten mir aber schnell, dass dies nicht der richtige Weg ist. Ich hatte mich in den Jahren zuvor verändert, meine Werte und Einstellungen haben sich verändert. Wenn man so viel Einblick in eine Materie hat, wie ich ins Schulsystem, sieht man außerdem auch, was nicht gut läuft, was einem auch niemand erzählt hat vorher, oder was man nicht wahrgenommen hat.

Ich hatte mehr und mehr das Gefühl, nicht in dieses System zu passen, täglich gegen meine Einstellungen und Werte zu handeln. Im Referendariat war alles noch so neu und man hatte zu tun, überhaupt mal eine freie Minute zum Einkaufen oder Duschen zu finden, da war im ersten Jahr keine Zeit, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. Aber nach und nach befasste ich mich mehr mit dem Schulsystem und Alternativen…

Und nun, Expeditionsmobil und Boot hin oder her: Letztlich kann man auch einfach mit dem, was man bereits hat, glücklich sein. Man muss sich nur dafür entscheiden.

Wie war das für dich? Lange studiert, dann „endlich“ die Vollzeitstelle und dann relativ schnell wieder die Kündigung. Wie muss ich mir das vorstellen – bei dir ist der Prozess, der bei Vielen Jahre dauert, ja irgendwie in Zeitraffer abgelaufen?

Nun, im Gegensatz zu vielen Kommilitonen, war es nie mein erklärtes Ziel, auf Lebenszeit verbeamtet zu sein. Ich bin einfach grundsätzlich nicht der sicherheitsbedürftigste Mensch (oder mir einfach bewusst, dass es so etwas wie Sicherheit gar nicht gibt) und sehr freiheitsliebend.

Mein Studium hat mir Spaß gemacht: Französisch und Erdkunde. Das sind Gebiete, die existieren – anders als beispielsweise Jura und Co., was sich auf „menschgemachte, ausgedachte“ Fakten stützt, die jederzeit geändert werden können. Die Sprache existiert und lebt und unsere Mutter Erde genauso.

Damit lässt sich auch anderweitig etwas anfangen. Außerdem hat uns das Referendariat in Bayern ja gelehrt, möglichst mobil zu sein; ein Jahr hier, ein Jahr dort (Achtung Ironie; oh Gott, was hätte sich ein Wohnmobil schon viel früher bezahlt gemacht!).

Insofern hing ich nicht allzu sehr an dieser Stelle. In Bayern wird die Verbeamtung ja hoch gehängt, da es derzeit recht schwer ist, sie zu bekommen. Je nach Bundesland ist das aber unterschiedlich – deswegen bekam ich die Stelle ja auch in Baden-Württemberg.

Ist es wirklich ein Prozess? Oder spürt man nicht ohnehin tief in sich die Wahrheit? Versucht sie aber, zu verdrängen mit „vernünftigen“ Argumenten? Dem Geld? Ich spürte, dass es nicht das Richtige ist und nach einem Retreat-Wochenende war diese Stimme nicht nur leise tief in mir – sondern laut und deutlich und klar da: Ich will da raus.

Wozu also warten und den „Prozess“ unnötig verzögern und mir das Leben schwer machen? Jeder, der sich die Zeit nimmt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, wird auf diese innere Stimme stoßen. Viele haben im Alltag nur einfach nicht die Zeit dazu – oder nehmen sie sich nicht.

Gabs auch Zweifel oder Ängste, oder war dann irgendwann einfach alles klar?

Ich hatte einmal einen kleinen Moment, in dem mein Verstand mich kurz fragte, ob das denn alles so richtig ist.  Das war ein paar Wochen nach meinem Entschluss. Aber das wars dann auch schon. Denn es fühlte sich gut an.

Wenn du an Kopf, Herz und Bauch denkst, wer meldet sich da zuerst?

Herz und Bauch ist für mich irgendwie eine Einheit. Bei beiden geht’s ums Fühlen. Und genau darum geht uns doch allen im Leben. Wir wollen nicht unbedingt mehr erleben. Wir wollen mehr fühlen. Uns spüren, das Leben spüren. Spüren, dass wir am Leben sind. Mit allen Hochs und Tiefs.

Gleichmäßiges vor-sich-hin-Leben ohne diese Ausschläge nach oben und unten fühlt sich für mich fast an wie tot. Denn da ist ja kaum was zum Fühlen. Das ist wohl diese Sicherheit? Nix spannendes, alles save und es läuft… Das kann natürlich auch mal ganz schön sein, diese Sicherheit, Geborgenheit. Ist für mich momentan aber nicht das erstrebenswerteste Ziel.

Was verstehst du unter „weg von“ und „hin zu“?

Tue weniger von dem, was dir keinen Spaß macht und mehr von dem, was dir Freude macht.

Hast du ein „hin zu“, ein Ziel, eine Vision oder so etwas Ähnliches? Du brauchst nicht ins Detail zu gehen, aber machst du dir manchmal Gedanken darüber, wo du in 5 oder 10 Jahren sein willst?

Ja, Gedanken mache ich mir. Das Leben lehrt mich aber immer wieder, dass Pläne nur Illusionen sind. Ich möchte nicht nur Europa und Teile Asiens und Afrikas mit meinem Kastenwagen bereisen, sondern gerne mit einem Expeditionsmobil die restliche Welt, und vielleicht auch irgendwann mit einem Boot die Weltmeere… mittlerweile bin ich auch an dem Punkt angekommen, mir bewusst zu sein, dass ich das nicht alleine machen muss und will.

Trotzdem versuche ich, mein Leben hier und jetzt zu leben. Wer weiß, ob ich in 5 oder 10 Jahren noch lebe? Ich warte nicht auf die Rente, um mein Leben zu leben. Denn es passiert genau jetzt. Also ist es auch jetzt an der Zeit, es mir schön zu machen.

Du hast letztes Jahr gekündigt. Wie war der Moment? Wem hast du es eigentlich zuerst gesagt – Kollegen, der Direktorin? Und wie haben deine Schüler reagiert?

Bei der inneren Kündigung war ich erst noch sehr zerrissen. Herz gegen Verstand. Bis zum Retreat hatte es meinen Verstand schon von 5 auf 3 Jahre „runtergehandelt“. Aber schon nach einem Jahr kündigen? Ohne jegliche Rücklagen, eher im Gegenteil…? Trotzdem wusste mein Herz klar, dass genau das die richtige Entscheidung ist. Und setzte sich durch.

Die offizielle Kündigung war dann „nur noch“ Formsache. Die ich allerdings alleine in meiner vollen Selbstverantwortung hinter mich bringen musste. ICH musste den Mund aufmachen, es sagen. Keiner würde das für mich übernehmen. Ich alleine bin für mein Wohlergehen verantwortlich. Und zwar, bevor meine Gesundheit den Bach runtergeht und ich es als „offensichtlichen Grund“ vorschieben kann.

Bis ich die Direktorin informierte, brauchte ich dennoch Zeit. Nachdem die Entscheidung für mich klar war, konnte ich sie meinem näheren Umfeld ebenso klar kommunizieren. Eine Kollegin, mit der ich mich gut verstand, sprach mich direkt nach meiner kleinen „Auszeit“ zurück in der Schule direkt darauf an und traf ins Schwarze. Daraufhin habe ich es einer anderen Kollegin und Freundin auch erzählt, denn eigentlich sollte sie die Erste sein, die es erfährt. Es ihr zu sagen, fiel mir am schwersten. Obwohl wir uns nicht lange kannten, hatte ich sie sehr ins Herz geschlossen und war dankbar für jede gegenseitige Aufmunterung im Lehrerzimmer und die Erlebnisse außerhalb der Schule. Ich wusste, dass es ihr genauso ging und ich ihr sehr fehlen würde – mir wäre es umgekehrt nicht anders gegangen…

Vor der Reaktion der Direktorin hatte ich natürlich etwas Bammel. Aber ich wusste, dass ich auch diese Situation gut handeln würde. Glücklicherweise reagierte sie sehr verständnisvoll, wofür ich ihr echt dankbar bin! Danach war ich sehr erleichtert und die Kündigung auf dem Papier eine Kleinigkeit – die ich dann aber baldmöglich hinter mich bringen wollte.

Die Schüler waren überrascht, teilweise wohl auch ein bisschen traurig – eine sagte mir, dass sie deswegen Französisch abwähle.

Und deine Eltern? Wie haben die reagiert? Und vor allem, wie war das Gefühl bei dir vor dem Gespräch.

Es war nicht „das Gespräch“. Sie wussten schon lange, dass ich unzufrieden und unglücklich mit meiner Situation war. Es war nicht so, dass ich nicht versuchte, es zu verbessern. Aber es half nichts. Bei meinem Vater war ich mir bezüglich der Reaktion nicht sicher. Trotzdem, es würde nichts an meiner Entscheidung ändern. Ich bin erwachsen und treffe meine eigenen Entscheidungen.
Sie hatten Verständnis, auch wenn ihnen ein sicherer Job für mich lieber wäre. Toll fand ich den Satz meiner Mutter gegenüber meiner fassungslosen Oma: „Bei der Lisa mach ich mir keine Gedanken, die findet schon was.“
Grundsätzlich bin ich ihnen sehr dankbar, dass sie mich in allem unterstützen, was ich tue.

Und deine Freunde und das restliche soziale Umfeld, wie war es bei denen?

Ich habe neue Erfahrungen gemacht: Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben komplett gezeigt, und Dinge offen kommuniziert – in dem Fall die Kündigung. Es ist ganz wunderbar, welche Reaktionen man dann bekommt, wenn man sich offen und verletzlich zeigt: das Gegenüber zeigt sich ebenso.

Eine gute Freundin gab mir aber ganz heftig Gegenwind. Sie ist eher auf Sicherheit bedacht und übernahm die Rolle meines Verstandes, den ich ja schon ganz gut im Griff hatte 😀 Nützte trotzdem alles nichts, da ich für mich wusste bzw. fühlte, dass es richtig ist.

Umso mehr freute mich ihr Kommentar, als wir uns getroffen hatten, ein halbes Jahr nach meiner Kündigung: Man merke total, dass es die richtige Entscheidung für mich gewesen sei und dass ich von Grund auf gut drauf sei.

Welche drei Eigenschaften von dir haben dir am meisten geholfen, deine Entscheidung zu treffen und vor allem auch umzusetzen.

Eigenschaft? Meinem Herz, meinen Gefühlen zu folgen. Sind es Eigenschaften? Oder eher Erfahrungen? Viele Erfahrungen (alleine in Frankreich, in anderen Ländern, Pannen am Auto in fremden Ländern) lassen mich wissen, dass es immer eine Lösung gibt.

Gerade die vielen Erfahrungen, in denen ich (erstmal!) alleine war. Es ist auch ein gewisses „Urvertrauen“ ins Leben, das ich durch all die Höhen und Tiefen gelernt habe.

Eigenschaften sind das wohl nun nicht, aber doch wichtige Punkte. Vielleicht sind das Eigenschaften, die mich unbewusst beeinflussen: Ich bin neugierig. Neugierig aufs Leben uns was es an Überraschungen für mich bereit hält.

Naivität. Eine bisschen naiv sein tut so gut. Macht euch los von all den unbewussten Bewertungen. Naiv und ohne Vorurteile an Dinge heranzugehen, kann so schön sein.

Was hat dir noch geholfen?

Du! Tatsächlich: manchmal brauche auch ich jemanden, der mich an die Hand nimmt und mir zeigt, wie man schwierige Wegpassagen am besten geht. Mit jemandem zu sprechen und Tipps zu bekommen, der den Weg bereits gegangen ist, hat mir vieles erleichtert. Die Gespräche mit dir waren mir da wirklich eine sehr große Stütze!

Ansonsten das Retreat von und mit Stefan Hiene, das radikal war, d.h. an die Wurzel ging, tief ins Innerste um die innere Stimme wieder hörbar zu machen und vor allem die Gefühle zuzulassen und zu spüren, wohin sie mich ziehen.

Die ganze Vanlife-Community. Wir haben bisher viel über „weg von“ gesprochen. Es gab aber auch ein großes „hin zu“. Bei diversen Treffen 2018 bin ich so vielen tollen und inspirierenden Menschen begegnet. Menschen, die erfolgreich das tun, was ich auch gerne möchte: Selbstbestimmt leben, reisen und unterwegs Geld verdienen.

Menschen, deren erste Reaktion auf meine Kündigung nicht wie bei allen anderen ist: „Und was machste stattdessen?!“, sondern „Geil! Glückwunsch!“ und dir darüber hinaus Tipps geben, was du machen kannst und deine verrücktesten Vorhaben so ganz normal finden.

Wenn es bei so vielen klappt, dann schaffe ich das auch!

Ich liebe ja den Satz: „Mut heißt nicht keine Angst zu haben, Mut heißt, dass man trotzdem springt!“ (von Sarah Lesch). Wie gefällt er dir?

Ist was Wahres dran. Jeder hat Ängste. Die Frage ist, ob man diese „füttert“, oder sich lieber auf die andere Seite konzentriert, nämlich etwas Gutes zu erschaffen. Ich arbeite an Letzterem und ich kann jedem versprechen, dass sich so Vieles im Leben ändert, wenn man sich dafür entscheidet.

Was rätst du Menschen, die genau wie du damals Zweifel an ihrer Situation haben aber nicht wissen was sie tun sollen.

Nach einigen Gesprächen mit dir, Moritz (und auch der ein oder anderen Mastermind-Session), und viel Input auch von Stefan Hiene: erstmal nix überstürzen. Die Selbstständigkeit ist nicht für jeden was und kein Allheilmittel.

Du musst nicht sofort wissen, was du tun sollst. Du kannst es fühlen. Wenn dir das schwer fällt: Versuche, mehr von dem zu tun, was dir Freude macht. Wenn dir das schwer fällt: Versuche weniger von dem zu tun, was dir keine Freude macht. Probiere dich aus und mach mal Dinge anders als sonst. Sprich z.B. mit anderen, vielleicht sogar mit deinem Vorgesetzten, über deine Situation, deine Gefühle. Oder folge im Alltag mal deine kleine innere Stimme, indem du z.B. dem Impuls folgst, jemand völlig fremden anzusprechen; Geh mal alleine aus, wenn du gerne etwas unternehmen möchtest, aber keine mitkommen kann… Du wirst sehen, dass dein Verstand mit all seinen Ängsten und Schreckensszenarien nicht immer recht hat. Und dann geht es Schritt für Schritt voran.

Ganz kurz nur, weil es sicher viele Leser interessiert: Wie hast du das mit der Krankenversicherung geregelt?

Nachdem ich zwei Monate lang nicht nur meinen Teil, sondern auch den, den die Beihilfe normalerweise übernimmt (50%) gelöhnt hatte, musste eine Lösung her: Um die private Krankenversicherung, die ich ja immer noch hatte, auf Anwartschaft weiterlaufen lassen zu können (nur so kommt man ohne neue Gesundheitsprüfung später wieder rein = niedrigerer Beitrag), musste ich in die gesetzliche Krankenversicherung kommen. Der „angenehmste“ Weg, um das anzustellen war, ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis anzunehmen. Etwas Kurzfristiges in der Weihnachtssaison hat leider nicht geklappt, und so bin ich zu einer Teilzeitstelle gekommen: drei Tage arbeiten, vier Tage für mich und den Aufbau meiner Selbstständigkeit. Fixkosten gedeckt und die Krankenkasse bezahlt.

Wenn der dann wegfällt, muss ich mich freiwillig pflichtversichern (wir haben so schöne Paradoxien in unserer deutsche Bürokratiesprache…) – was in der gesetzlichen erstmal deutlich günstiger ist als in der privaten. Wenn ich dann im Sommer wieder auf Langzeitreise gehe, werde ich wahrscheinlich in eine Langzeitreiseauslandskrankenversicherung wechseln.

Was machst du heute? Beruflich aber vor allem auch in deiner freien Zeit.

Berufliches und Freizeit scheint momentan etwas miteinander zu verschwimmen. Aber soll das nicht gerade so sein, wenn man Geld verdienen möchte, mit dem, was Spaß macht? Zwischenzeitlich war ich ein paar Wochen als Aushilfe an einer Schule. Ein gesundheitliches Problem stellt nun die weitere Planung des klassischen (=ortsfesten) Arbeitslebens infrage. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, um mich auf meine Selbstständigkeit konzentrieren zu können. Es ist eben gerade viel im Umbruch, Veränderung fast mein täglicher Begleiter. Aber es war ja klar, dass es nicht immer leicht sein würde.

Neben meinem Teilzeitjob gebe ich über Firmenkunden Sprachunterricht für Erwachsene sowie online Nachhilfe.

Dann kümmere ich mich viel um meinen neuen Blog, baue mir eine professionelle online Präsenz auf, kümmere mich um Steuerliches und Papierkram.

Wenn ich wirklich mal gar nichts tue, was im geringsten mit „Arbeit“ zu tun hat, schlafe ich unglaublich gerne, bin mit meinem Wohnmobil unterwegs, treffe Freunde, bin regelmäßig auf Vanlife-Treffen und wenn es wieder wärmer ist, freue ich mich auf Klettersteige und aufs Kitesurfen!

Wenn du in einem Satz beschreiben müsstest, was dir im Leben wichtig ist, was wäre dieser Satz:

Mir ist es wichtig, ein glückliches weil selbstbestimmtes Leben zu führen und jeden Morgen mit Freude auf den Tag aufzustehen.

Auf deinem Blog caravanci.com geht es ja auch viel um dein Wohnmobil. Ist das dein Symbol? Ist das sowas wie ein Sinnbild für Freiheit? Ich komme mir mit meinem Reihenendhaus mit Sandkasten irgendwie vor, wie der alte Spießer.

Mein Symbol…es ist ein Teil von mir. Ein großes Hobby und mehr als das. Ich liebe das Leben in und mit meinem Wohnmobil. Seitdem mag ich es nicht mehr, ohne zu verreisen (denn das kommt immer einem halben Auszug aus meiner Wohnung gleich 😀 ).

Ich hab meine eigenen vier Wände immer dabei, in denen ich mich super wohl fühle und nur das dabei, was ich wirklich zum Leben brauche – und das ist nicht viel. Auch wenn draußen alles doof ist: rein, Tür zu und gut.

Und noch viel besser: Ich kann einfach wegfahren und dorthin fahren, wo es mir besser gefällt. Und das Beste: die Leute der Vanlife-Szene sind einfach überall. Ich kann überall tolle Leute treffen – denn das sind sie meist.

Egal ob in Griechenland, Spanien, Portugal, Marokko, wir können überall Gleichgesinnte treffen und bei Problemen findet sich immer einer in der Community, der weiterhelfen kann. Wie in einer großen Familie. Freiheit beginnt in meinem Kopf – oder in deinem.

Ganz egal wie du wohnst. Es kommt wohl darauf an, mit welcher Einstellung man durchs Leben, durch jeden Tag geht. Um ein freies Leben zu führen, braucht man kein Wohnmobil 😉

Heute in einem Jahr – wo finden wir dich da?

Wenn alles klappt, beim Überwintern im warmen Süden: Türkei, Griechenland, Spanien, Portugal oder Marokko – die Planung ist noch offen 😉

Danke Lisa, es ist eine absolute Bereicherung dich kennen gelernt zu haben.

7 Kommentare zu „Interview mit Lisa: aus dem Klassenzimmer ins Wohnmobil“

  1. Hallo Lisa,
    das Interview ist klasse wie auch dein Flammlachs den du uns beim Wintercamp gemacht hast 😊 Wir finde deinen Weg den du eingeschlagen hast klasse und wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg auf deinem weiterem Weg. 🍀🍀🍀
    Liebe Grüße
    Christoph 😊

  2. Liebe Lisa,

    lass mich dir sagen, dass ich deinen Artikel wirklich wunderbar finde: Niemals hätte ich mir vorstellen können, einmal einen so lebensfrohen, heiteren und optimistischen Artikel zum Thema „Ausstieg aus dem Beamtenverhältnis/Lehrerberuf“ zu lesen!

    Ganz toll finde ich es, dass du in deinen sehr jungen Jahren schon den Schlüssel entdeckt hast, den man braucht, um ein wahrhaft selbstbestimmtes und erfüllendes Leben zu leben, den Schlüssel, der nirgendwo anders liegt als in unserem Herzen. Und noch toller finde ich es, dass du ihn auch nimmst und gebrauchst für dich selbst!

    Auf diese Weise wirst du dir vermutlich einige schmerzvolle Umwege ersparen, die wir Angehörigen der Baby-Boomer-Generation, die sich wohl dem System in einer ganz besonderen Weise verpflichtet und ergeben gefühlt hat, in vielen Fällen auf uns genommen haben.

    Auf ihrer Lehrer-Ausstiegs-Seite [Link weiter unten] ruft Isabell Probst auf: „Das vertagte Leben … beginnt jetzt!“

    Mit dieser These fordert die Autorin alle sich in ihrem Beruf unglücklich fühlenden Lehrerinnen und Lehrer dazu auf, „ein erfüllteres Leben mit Raum für eigene Prioritäten … nicht erst auf den Ruhestand zu verschieben „.

    Recht hat Frau Probst, kann ich da nur sagen. Nach 28 Jahren im Schuldienst, die für mich 28 Jahre „Leben im falschen Film“ bedeuteten: Meine tollen Ideen und Visionen für eine bessere Welt, lächel, die ich mit all den wunderbaren, mir anvertrauten jungen Menschen in meinem Leben verwirklichen wollte: Dafür hatte ich mir an einer (staatlichen) Schule das falsche System ausgesucht.

    Der Konflikt zwischen meinem Ideal, junge Menschen im humanistischen Sinne erziehen zu dürfen („Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“) und der brutalen Wirklichkeit des Systems (Evaluation und Selektion) hat mir zuletzt buchstäblich fast das Genick gebrochen: Ich habe so starke Rückenschmerzen, dass ich wohl für den Rest meines Lebens (mehr oder weniger) stark eingeschränkt sein werde in meiner Beweglichkeit – und damit in meinen Möglichkeiten, meine Prioriäten, also meine Ideale und Vorhaben, noch zu verwirklichen.

    Das Traurige ist dabei, dass mein Herz immer gewusst hat, dass ich meine Kräfte innerhalb des falschen Systems einsetze und dass ich sie auf diese Weise erschöpfe, verliere. Seit meiner Einstellung in den gymnasialen Schuldienst hat mein Herz mir immer wieder ganz klar gesagt: Das ist nicht deine Welt. Geh und lass dich nicht weiter dazu zwingen, Dinge zu tun, die sich gegen dein Innerstes richten! Setze stattdessen deinen Mut, deine Kraft, deine Ideen, dein ganzes Herz ein dort, wo du wirklich etwas bewirken kannst!

    Aber obwohl ich es in meinem ganzen langen Lehrerleben niemals aufgegeben habe zu versuchen, junge Menschen in Kontakt zu bringen mit ihrem eigenen Herzen, mit ihrer innersten Stimme, so habe ich doch selbst auf die meine nicht gehört, jedenfalls nicht in Bezug auf meine eigene Person.

    Stattdessen habe ich mein Herz vertröstet, von Jahr zu Jahr: Irgendwann steigst du aus. Dann verwirklichst deine wahren Prioritäten. Dann lebst du dein Leben.

    Jetzt bin werde ich zwar mit meinen Mitte 50 den Schuldienst verlassen können, aber als eine kranke Frau, der für die Verwirklichung ihrer eigenen Ideen und Visionen vielleicht nicht mehr viele Möglichkeiten geblieben sind.

    So kann es kommen.

    In diesem Sinne gratuliere ich dir, liebe Lisa und wünsche mir, dass du mit deinem Beispiel viele andere junge Menschen inspirieren kannst.

    Lieber Gruß

    von Gänseblume

    1. Liebe „Gänseblume“,
      wow, mit so einer langen Antwort hätte ich nie gerechnet. Ich danke dir sehr für all deine lieben Worte!
      Einerseits stimmt es mich traurig, dass es bei dir soweit kommen musste, dass deine Gesundheit darunter leiden musste (das habe sogar ich schon in dem einen Jahr bemerkt). Andererseits ist es trotzdem toll, dass du die Augen auf und vor allem den Schritt heraus, bzw. hinein ins Leben, gewagt hast!
      Genau, das Leben findet jetzt statt. Was glaubst „du“(und hier sind alle lieben Leser angesprochen), wie wird es dir gehen, wenn du in Rente geht? Wenn du Zeit deines Lebens geübt hast, für die Zukunft zu leben? 50, 60, 70 Jahre lang? Meinst du, du wirst mit einem Fingerschnipp auf einmal das Hier und Jetzt genießen können? Wohl kaum.
      Ich finde es schön, dass du etwas über dich erzählst.
      Ich wünsche dir von Herzen, dass du möglichst viele deine Ideen und Visionen noch in diesem Leben umsetzen kannst! Du bist beschützt, weil du jetzt auf dem richtigen Weg bist <3
      Viele liebe Grüße
      Lisa

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