Sebastian*, 39 Jahre, ehemals Beamter bei der Polizei (2002-2006)

Sebastian kam zur Polizei mit der Überzeugung, er möchte die Welt verbessern, ggf. ein System von innen heraus zum Positiven verändern, Gutes tun. Mit mir sprach er über die Gründe, warum er sich nach nur viereinhalb Jahren bei der Polizei wieder gekündigt hat, und wie es danach bei ihm weiter ging. Denn heute ist er erfolgreicher IT-Projektleiter.

Unklarheit bei der Berufswahl

Nach Abschließen der Realschule und des Gymnasiums hatte Sebastian das Gefühl, vieles zu können, aber in keinem Bereich so recht herauszustechen und war zunächst ratlos, was die Berufswahl anging.

Er machte sich Gedanken und ihm wurde Folgendes klar: Er war immer zur Stelle, wenn Streits eskalierten, stellte sich dazwischen und schützend vor andere. Dafür kannte man ihn. Warum also nicht diesen inneren Antrieb zum Beruf machen und zur Polizei gehen? Für Recht und Ordnung sorgen, die Welt verbessern, das wollte Sebastian.

Als Punk zur Polizei?

Man könnte meinen, seine Vergangenheit, die eher links war, spräche dagegen, bei der Polizei zu arbeiten. Er rechtfertigte es sich und anderen gegenüber mit der Aussage:

„Ein System kann man nur von innen heraus ändern.“  (was er heute darüber denkt, dazu weiter unten mehr)

Nach einem Anruf bei der Polizei  hatte er nur eine Woche bis zum Bewerbungsschluss, um alles an Attesten, Bescheinigungen, Nachweisen zu erbringen und vor allem, den Sporttest zu bestehen. Vor allem auf letzteres bereiten sich viele Anwärter wochen- oder gar monatelang vor. Sebastian hatte Glück, strengte sich an und konnte all seine Unterlagen eine Woche später einreichen und kam erfolgreich durchs Aufnahmeverfahren.

Sein erklärtes Ziel war von Beginn an, zu studieren. Er wollte es zu etwas bringen im Leben, sich weiterbilden, Karriere machen und ein schönes Leben führen.

Innerhalb des Polizei im gehobenen Dienst zu starten, davon wurde ihm allerdings abgeraten

Es gibt drei Stufen im öffentlichen Dienst (je nach Bundesland): Mittlerer Dienst, gehobener Dienst, höherer Dienst.

Sebastian wollte am liebsten direkt bei der Polizei studieren und somit im gehobenen Dienst seine Beamtenlaufbahn bei der Polizei als Kommissaranwärter starten.

Hiervon wurde ihm von seinem Ausbildungsberater jedoch abgeraten.

Die Begründung, weshalb er die Polizistenlaufbahn von Anfang an kennenlernen sollte

Oft kommt es vor, dass Leute diese Laufbahn mit Direkteinstieg in den gehobenen Dienst wählen. Mit U30 starten sie dann als Jungkommissare, bekommen eine Schicht (z.B. als Dienstgruppenführer) in einem Revier bzw. in einer Polizeistation unterstellt und sollen den dort tätigen Beamten im Mittleren Dienst sagen, wie sie ihren Job zu machen haben. Dass es zu Problemen kommt, wenn jahrzehntelange Praxiserfahrung auf junge unerfahrene Vorgesetzte trifft, ist vorprogrammiert. Die Beamten im Mittleren Dienst können gleichzeitig nichts dagegen tun. Sebastian hat dies später selbst genau so erfahren.

Es klang also einleuchtend und schlüssig, die Beamtenlaufbahn im Mittleren Dienst zu starten, um später – nach einem Studium innerhalb der Polizei – in einer Führungsposition zu wissen, wovon man spricht und entsprechend kompetent in seiner Position auftreten zu können.

Die Ausbildung zum Polizeivollzugs- und Verwaltungsbeamten

Die Ausbildung war von Anfang an hart und anstrengend. Wer auf Lebenszeit verbeamtet werden will, muss wohl Opfer bringen, egal in welcher Laufbahn. Trotz oder gerade wegen dieser anstrengenden Zeit, durfte er aber auch einen unglaublichen Zusammenhalt innerhalb seiner Gruppe erleben. Dieser Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl dort waren prägend für ihn und mit die schönste Erfahrung seiner Zeit bei der Polizei.

Die Ausbildung bei der Polizei dauert 2,5 Jahre inklusive zwei Praktika von jeweils sechs Monaten. Im ersten Jahr ist man dauerhaft in der Polizeischule bei der Bereitschaftspolizei kaserniert. Die Ausbildung geht Vollzeit, d.h. von 7 bis 16  / 17 Uhr. In der Freizeit kann man entweder Sport machen oder die Abende mit den Kollegen verbringen. Sebastian sieht dabei gewisse Ähnlichkeiten zum Grundwehrdienst bei der Bundeswehr.

Nach jedem halben Jahr fanden Sport- und weitere Tests statt. Um den BMI einzuhalten, hungerte sich Sebastian einige Tage herunter – entgegen seiner natürlichen Statur, die bei Einsätzen wie Fußballspielen oder Demonstrationen stets in der ersten Reihe gebraucht wurde.

Unschöne Ernüchterung bereits nach einem halben Jahr in der Polizeiausbildung

Sebastian war mit viel Idealismus in die Polizeiausbildung gestartet: Er wollte für Gerechtigkeit sorgen, anderen Menschen helfen, die Welt für alle zu einem besseren Ort machen. Er sah seinen Beruf von Anfang an als Berufung, der er mit großer Überzeugung und Herzblut nachkommen wollte.

Diese Ideale im Polizeidienst zu verwirklichen, stellte sich jedoch relativ schnell als Illusion heraus.

Oft machten ihn Aussagen stutzig, er hinterfragte offen Dinge, die von den Ausbildern vermittelt wurden. Warum wird das Gesetz auf die eine Art und Weise ausgelegt, wo es doch auch anders ginge? Sein stark ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein konnte er nicht unterdrücken und er diskutierte (zu) oft mit seinen Ausbildern.

Er war nicht der einzige, der nicht immer d’accord war mit dem, was ihnen vermittelt wurde. Die meistens anderen jedoch trauten sich nichts zu sagen, ganz nach dem Motto: Man sägt nicht an dem Ast, auf dem man sitzt…

Willkür war etwas, das er in seiner weiteren Laufbahn noch häufiger und krasser erleben sollte.

Zweifel am Rechtsstaat und am Rechtssystem als Polizist

Sebastian fragt sich heute nach wie vor:
Warum wird den Schülern, den mündigen Bürgern von morgen, nicht in der Schule bereits wenigstens ein Bruchteil unseres Rechtssystems verbindlich nähergebracht? Der für alle wichtige Unterschied zwischen Privat- und Strafrecht, das Grundgesetz, die Rechte jedes einzelnen…

Seine Erkenntnis:
Es ist nicht gewollt. Das Volk soll in dieser Hinsicht „dumm gehalten“ werden. Sobald die Menschen wüssten, was sie dürfen und was die Polizei darf, sei es schwierig, sie zu lenken. Was im Idealfall für ein besseres Miteinander in der Gesellschaft sorgen würde, wird unterbunden aufgrund einzelner weniger, die sich mit Recht und Gesetz auskennen und sich bewusst in Grauzonen bewegen.

Die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Polizeivollzugs- und verwaltungsbeamten

Sebastian schloss die Ausbildung mittelmäßig ab. Er empfand die Ausbildung als sehr schwer, obwohl er sein bestes gegeben hatte – dies sollte ihm jedoch im späteren Studium noch zugute kommen.

Der erfolgreiche Abschluss dieser Ausbildung kommt dem Grundstudium in Jura gleich bzw. wird als dieses anerkannt, womit man „Polizeivollzugs- und –verwaltungsbeamter“ ist. Mit diesem Abschluss wäre es ihm alternativ auch möglich, in einer Behörde, wie z.B. einem Finanzamt, zu arbeiten.

Nach den zweieinhalb Jahren harter Ausbildung war Sebastian nun erstmal Einsatzbeamter in der Einsatzabteilung der Bereitschaftspolizei im Dienstgrad Polizeimeister. Im Zuge sogenannter Abordnungen war er unter anderem im Schichtdienst der Schutzpolizei, der aufgrund von Personalmangel so organisiert war, dass es kaum noch möglich war, soziale Kontakte angemessen zu pflegen. Auch seine Ehe ging in dieser Zeit in die Brüche. Natürlich nicht ausschließlich aus beruflichen Gründen, diese hatten aber wohl einen Anteil daran.

Bereit, die Karriere innerhalb der Landeskriminalpolizei zu starten

Nach dem Ende seiner sogenannten Mindestverwendungszeit in der Einsatzabteilung, wollte Sebastian durchstarten, Karriere machen, einen Weg innerhalb der Landeskriminalpolizei einschlagen, der besser zu ihm passt und in dem er seine Expertise einfließen lassen kann: Der IT-Bereich war sein Ding. Hatten viele dienstältere Kollegen keine Ahnung davon, was teilweise im Internet abging, war er nerdy genug, genau dies zu seinem Spezialgebiet machen zu wollen. Sein Ziel: Das Dezernat für Internetkriminalität, in dem er unter anderem gegen die Verbreitung von Kinderpornographie vorgehen würde.

Durchstarten mit dem Studium – oder doch nicht?

Gegen Ende seiner Mindestverwendungszeit also, wollte er die Zulassung zum Studium und damit den Aufstieg in die Kommissarlaufbahn, den gehobenen Dienst, angehen. Zu dem Zeitpunkt wurde ihm jedoch mitgeteilt, dass sich die Situation bei der Polizei sehr schnell ändere, es derzeit einen Bewerbungsstopp gäbe und nur noch Direkteinsteiger zum Studium innerhalb der Polizei zugelassen werden. Genau das, wovon ihm wenige Jahre zuvor abgeraten wurde.

Um innerhalb der Polizei  aufsteigen zu können, mussten ohnehin einige Hürden genommen werden:
Die persönliche „Dienstakte“ musste lupenrein sein, ehe man zum Studium zugelassen wird. Er hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt waren, konnte man sich trotz Bewerbungsstopp immerhin auf die Warteliste setzen lassen. Auf Nachfrage erfuhr Sebastian, dass er aktuell 16 Semester warten müsse, ehe er zum Studium zugelassen würde.

Das würde bedeuten: acht weitere Jahre im Mittleren Dienst mit einem Einkommen von ca. 1700 €. Nach Abzug aller Kosten blieben bei Miete für eine sehr günstige Wohnung noch unter 1000€ pro Monat übrig, was zwar zum Leben reicht, aber nicht im Geringsten angemessen war für die Belastung, körperlich („Du sollst bei der Polizei nicht alt werden.“) wie geistig, die ihm der Mittlere Dienst abverlangte. Die Aggressivität gegenüber Polizeibeamten nahm bereits in dieser Zeit markant zu. Zusätzlich zu den 8 Jahren Wartezeit kamen mindestens zwei Jahre Studium, bevor eine bessere Soldstufe bzw. ein signifikant höheres Einkommen überhaupt in Reichweite käme.

Die Kehrseite der Medaille: Sicherheit als Lebzeitbeamter vs. gesicherte Armut

Dies bedeutete für ihn zwar Sicherheit als Lebzeitbeamter, jedoch eher in Form einer gesicherten Armut.

Dazu kam die soziale Vereinsamung. Durch täglich wechselnde Arbeitszeiten und gerade einmal einen freien Samstag im Monat war an ein geregeltes Sozialleben kaum zu denken.
Außerdem war er in seiner Heimatregion tätig: Früher zum linken Spektrum gehörig, hatte er viele Bekannte, die aus Angst den Kontakt zu ihm abgebrochen haben.

So hatte Sebastian sich das nicht vorgestellt. Es war eine weitere große Ent-Täuschung, dass er die Aussagen zu Beginn seiner Ausbildung nicht nach seinen Vorstellungen umsetzen konnte.

Warum nicht? Es wird eine gewisse „Manpower“ im Mittleren Dienst benötigt. Die Beamten werden klein gehalten, und aufgrund oben genannter Belastungen oft nicht alt  – was zugunsten der knappen Kassen auch nicht unbedingt gewünscht wird, wie Sebastian schlussfolgert.

Darüber hinaus – und das weiß jeder Beamter – kann man als Staatsdiener jederzeit an einen anderen Ort innerhalb des Bundeslandes versetzt werden. Natürlich helfen ein Haus, Heirat und Kinder dabei, dass man nicht der erste ist, dem das passiert, auszuschließen ist es jedoch nie.

Widersprüche innerhalb des Systems

Sebastian spürte immer häufiger immer stärkere Widersprüche. Zum Beispiel ist man als Beamter zu politischer Neutralität verpflichtet. Er beobachtete aber, dass dies einer Karriere nicht zuträglich war.

Teilweise erließen Revierleiter Anordnungen, die jeglicher gesetzlichen Grundlage entbehrten. Aber auch hier wollte wieder niemand am eigenen Ast sägen… Immer getreu dem Motto: „Ober sticht Unter.“

Die Entscheidung: Ich werde bei der Polizei kündigen

Nach der ernüchternden Nachricht in Bezug auf das Studium ließ sich Sebastian einige Monate Zeit. Nach allem Erlebeten wurde die Kündigung bei der Polizei eine realistische Option für ihn. Er wägte Pro und Contra ab, gewichtete die einzelnen Punkte und hatte einen großen Überhang auf der Contra-Seite.

Bei der Polizei zu kündigen war keine Frage mehr des „ob“, sondern des „wie“.

Er wollte studieren und so wuchs der Plan, den Polizeidienst zu verlassen und auf eigene Faust zu studieren. Viele Recherchen und Nachfragen bei Freunden später hatte er die nötigen Informationen in Bezug auf Krankenversicherung, soziale Absicherung usw.

Luxuriöse Situation vs. fehlende soziale Absicherung aufgrund des Beamtentums

Da man als Beamter nicht in die Sozialkassen einzahlt, konnte er nicht einmal auf Sozialhilfe hoffen, sollte nach der Kündigung irgendetwas schiefgehen. Alle Ansprüche aus vorherigen Tätigkeiten waren über die Jahre bei der Polizei verfallen, sodass er sich dem großen Druck entgegensah, im Studium nicht scheitern zu dürfen. Dass er seine Polizeiausbildung nur mittelmäßig abgeschlossen hatte, war diesen Sorgen nicht gerade zuträglich. Doch es war die einzige Erfahrung in seinem Leben mit Ausbildungen und Prüfungen dieser Art.

Er nutzte die luxuriöse Situation, als Beamter gegenüber seinem Dienstherrn keine Kündigungsfrist zu haben und bereitete alles in seiner Freizeit auf den Ausstieg vor: Er bewarb sich bundesweit auf den Studiengang Wirtschaftsinformatik, absolvierte die Zulassungsprüfung, bekam seine Studienzulassung als einer der Besten, nahm sich einen KfW Studienkredit und leitete alles Weitere in die Wege.

Anmerkung: Die Kündigung bei der Polizei und alle Überlegungen drum herum, wurden sehr schön auf Pete’s Blog beschrieben (>>>MEINE KÜNDIGUNG BEI DER POLIZEI – auf petes-blog.net)

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Die Kündigung als Polizist und die Reaktionen

Die Ausstiegshürde ist so groß, dass kein normaler Mensch sich überlegt: „Ich geh da jetzt.“, sagt Sebastian. Das ständige Arbeiten gegen seine Werte, sein Menschsein, fraß ihn allmählich auf und er sah, dass es ihn krank machte. Er wollte nicht, wie viele andere Berufskollegen, frühzeitig an Krebs sterben, nachdem er genauso verbittert geworden wäre, wie viele andere, weil sie ihre idealistischen Ziele nicht haben erreichen können.

„Das System verstieß gegen alle meine Werte.“

Und so war es nur noch ein kleiner, und allzu logischer Schritt für ihn, seinen Vorgesetzten bei der Polizei die Kündigung zu präsentieren. Ganz nach dem Motto:

„Heute Beamter, morgen Student. Und frei.“

Die Reaktionen waren vielfältig. Ältere Kollegen zollten ihm ihren Respekt, schüttelten ihm anerkennen die Hand, die jüngeren reagierten eher mit Unverständnis und zeigten ihm den Vogel.

Dabei war Sebastian einer von den „Guten“: Es passierte ihm, dass Menschen, die eine Strafe durch ihn bekommen haben, nach einem Gespräch mit ihm aus dem Revier gegangen sind, ihn umarmt und ihm gesagt haben, er sei ein guter Mann und sich bedankt haben für seine menschliche Art und dafür, dass er alles für sie getan hat, was er tun konnte.

Solche Menschen braucht die Polizei (genauso wie die Schulen), aber genau die sind es, die bei der Ausübung ihres Berufes oftmals gegen ihre innersten Überzeugungen handeln müssen. Frei nach dem Motto:

„Es sind immer die Guten, die gehen!“

Endlich: Das Studium

Er konnte endlich in sein Studium starten, was er schon so lange angestrebt hatte.

Im Nachhinein kann er sagen, dass er durch alles, was er durchgemacht hat – bis hin zur Depression – dazu beigetragen hat, dass er als Student so fokussiert war, denn er wusste genau, was er will.

Er schloss sein Studium besser ab als alles andere zuvor und sagt heute stolz:

„Ich bereue die Entscheidung nicht im Geringsten.“

Ist Sebastian heute – außerhalb des Beamtentums bei der Polizei – glücklich?

Karrieremäßig hat er alles erreicht. Er ist Führungskraft und verdient genug Geld, um damit dreimal pro Jahr Urlaub machen zu können.

Trotzdem hat er festgestellt: Geld macht nicht glücklich.

Denn wenn du nur am arbeiten bist, weißt du gar nicht, wann du es ausgeben sollst. Ab einem gewissen Punkt mache Geld eben nicht glücklicher.

Natürlich will man(n) seiner Familie und sich ein besseres Leben gönnen. Darüber sollte man aber nicht vergessen, zu leben.

Er meint, es sei wichtig, seine Bestimmung zu finden. Neben der Gesundheit sei nichts wichtiger als Zufriedenheit im Leben. Bist du zufrieden, ist alles im Außen egal.

Seine Kollegen, mit denen er begonnen hat, heute

Sebastians ehemalige Kollegen sind genauso geworden, wie er nie werden wollte. Entgegen aller Hoffnungen habe sich die Situation nicht verbessert. Obwohl sie ähnlich weltverbesserisch unterwegs waren wie er, sei heute davon nichts mehr übrig.

Von denen, die die harte Ausbildung bei der Polizei erfolgreich hinter sich gebracht hatten (und das war nur ein Bruchteil derer, die angefangen hatten), haben – wie Sebastian – ein paar ebenfalls gekündigt, weil „sie sich da falsch gefühlt haben.“

Viele seiner ehemaligen Kollegen sind heute verbittert: „Mache eben einen Job”, „Habe ja nichts anderes gelernt”, „Was soll ich auch sonst machen” usw. sind die Aussagen.

Heutige Sicht auf die Aussage „Man kann das System nur von innen heraus ändern.“

Polizei wie Schulen – alle Teile des Systems tun laut Sebastian das, was sie sollen. Nichts wäre so, wenn es nicht so gewollt wäre.

Deswegen würde man niemals von innen heraus diese Systeme ändern können.

Er empfiehlt Menschen, die immer noch diesen Idealismus verfolgen: „Opfer dich nicht auf, du wirst daran kaputtgehen. Du kommst nicht in die hohe Position [in der du etwas ändern könntest], wenn du nicht das gleiche Mindset hast wie das System.

Denn das System ändert Menschen, nicht umgekehrt.“

Gedanken zum System aktuell

Sebastian will ganz weit weg sein, wenn es kracht. Seiner Meinung nach wird das System als solches sich selbst abschaffen, da es nicht zukunftsfähig sei, wie es derzeit läuft.

Die Politik bringe Menschen auseinander, was wir jedoch brauchen ist: Mehr Harmonie. Als Beispiel nennt er verschiedene Veranstaltungen wie die ihm bekannte Workation der Camper Nomads. Dort waren Menschen mit ganz verschiedenen Lebenswegen und Hintergründen. Dennoch bildete man eine Gemeinschaft, weil ein gemeinsames Interesse alle eint. Dies ist bei allen Gruppen so mit einem gemeinsamen – inneren – Ziel.

Menschen mit einem Mindset hin zum „Nonkonformistentum“ seien interessant für ihn.

Außerdem hat er noch einen Ratschlag für alle, die mit dem System unzufrieden sind:

„Du musst im Leben deinen Takt finden, denn du kannst so gut sein, wie du willst, du kannst das System nicht ändern.“

Das ist auch die Erfahrung, die ich (Lisa) gemacht habe. Fängt man endlich mal bei sich selbst an, ändert sich so vieles im Außen zum Besseren.

Sebastians Lebensphilosophie nach der Kündigung bei der Polizei

Viele kennen heutzutage Bücher oder Artikel mit Titeln wie „Dinge, die Leute auf ihrem Sterbebett bereuen“. So weit muss es nicht kommen, denn man kann schon früher auf den Rat der weisen Großeltern vertrauen. So hören auch Sebastian und seine Freundin Bärbel* auf den Rat „Ihr müsst reisen, solange ihr könnt. Nicht auf die Rente sparen und erst dann die Träume verwirklichen. Und bis dahin nur ackern – und zum Schluss nicht mehr können“

Zum Thema Aussteiger denkt Sebastian, dass man es zwar schaffen kann, raus aus dem Hamsterrad zu kommen. Ganz aus dem System auszusteigen ist jedoch nicht gewollt und nicht möglich. Man kann sich nur bemühen, möglichst wenige Berührungspunkte damit zu haben.

Vielen Dank, Sebastian, dass du dir die Zeit genommen hast und mir Rede und Antwort gestanden bist! Es war ein sehr aufschlussreiches, und inspirierendes Gespräch.

Alles Gute Dir auf deinem weiteren Weg!

*Name geändert

Hau den ersten Stein um!

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

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