Immer wieder erleben wir das.

Streit und Stunk oder aber Frust und stille Resignation. Manche Konflikte werden offen ausgetragen, manche brodeln monatelang oder für immer unter der Oberfläche.

Aber warum entstehen all diese Konflikte eigentlich immer wieder?

“Menschen denken unterschiedlich!”

und

“90% der Konflikte sind Beziehungskonflikte und nur 10% Sachkonflikte”.

In der Regel geht es im Konflikt also nicht um die eigentliche Sachfrage, sondern um die Beziehung der beiden Konfliktparteien.

Was nützt dir diese Erkenntnis in deinem Alltag und in konkreten Situationen? Und wie kannst du dich wappnen, um Situationen von Beginn an richtig einordnen um Konflikte zu entschärfen?

Eine wunderbare Frage ist immer wieder:

“Worum geht es mir und meinem Gegenüber eigentlich?” Was ist das Interesse hinter den Positionen, die wir beide vertreten?

Die nun folgenden 9 Persönlichkeitstypen (oder auch Leitwerte), die jeder von uns in ganz individueller Gewichtung in sich trägt, sind eine wunderbare Grundlage zur Einschätzung und Lösung von schwierigen Situationen.

Mach dir also am besten immer wieder klar, nach welchen Leitwerten du lebst und welche evtl. bei anderen Personen im Vordergrund stehen.

Typ 1: Integrität

Menschen bei denen Integrität einen hohen Wert hat, fragen sich: “Was muss ich tun, damit ich mir selbst in die Augen schauen kann?”. Sie haben hohe moralische Ansprüche an sich und die anderen.

Sie wollen “richtig” handeln und sind Perfektionisten (auf der moralischen Ebene). Es ist ihnen wichtig, “ihre eigenen Regeln” einzuhalten, die aber nicht unbedingt deckungsgleich mit dem Gesetz sein müssen.

Wenn der Satz: “Ich will mir selbst treu bleiben!”, bei dir anschlägt, dann hat der Wert Integrität für dich vermutlich eine starke Bedeutung.

Typ 2: Fürsorge

Der Stereotyp der Krankenschwester, der Erzieherin oder des Altenpflegers sind die klassischen Fürsorgeberufe. Sich selbst zum Wohl der anderen zurücknehmen, vielleicht sogar aufopfern zu können, das ist genau das Ding von Typ 2.

Was dieser Typ anderen gibt, verwehrt er sich aber oft selbst. “Ich muss das auch alleine schaffen!” ist ein häufig gehörter Satz. Klar, denn die anderen sind immer etwas wichtiger als man selbst.

“Ich will helfen!”, könnte ein Satz sein, den der “Führsorgeteil” in dir häufig preisgibt.

Typ 3: Anerkennung

Der Anerkennungsteil in dir möchte gelobt werden. Ja, es ist schön, von anderen gesehen und vielleicht sogar bewundert zu werden. Dieser Teil will glänzen, will vorne stehen. Und er will von anderen in seiner Funktion anerkannt und respektiert werden.

“Sag mir, dass ich gut bin!”, steht auf der Stirn dieses Teils in dir.

Typ 4: Individualität

Oft auch mit Freiheit übersetzt. Dieser Teil in dir will “frei sein”, will sich abgrenzen von den anderen und sein eigenes Ding machen.

Der Teil will nicht dem Herdentrieb folgen, sondern nach seinen eigenen Maßstäben leben. Er will selbständig arbeiten und eigene Entscheidungen treffen. Feste Strukturen sind ihm ein Graus.

“Tun und lassen zu können, was ich will!”, ist die Maxime dieses Teils.

Typ 5: Wissen

Das ist der Forschertyp in dir. Der Teil, der etwas in der Tiefe verstehen möchte. Er gibt sich nicht mit Oberflächlichkeiten zufrieden. Dieser Teil will zu einer bestimmten Sache alle Informationen haben, damit er sich sicher sein kann, die richtige Entscheidung zu treffen. “Wie ist das mit meiner Beamtenpension – auf die dritte Nachkommastelle genau – wenn ich in 13 Jahren kündige?”

“Ich will wissen (verstehen)!”, ist das Grundprinzip dieses Teils.

Typ 6: Sicherheit

Der Teil, der dich seit deiner Geburt davor schützt “Dummheiten” zu begehen. “Mache keine Fehler!” und “Angst vor dem Chaos!” sind hier Programm. Die Angst, plötzlich nicht mehr abgesichert zu sein, kann dich komplett blockieren.

Gleichzeitig ist dieser Teil aber auch sehr loyal. Er sorgt dafür, dass du dich Gruppenideen unterordnen kannst. Dass du loyal zu dir und deinem Arbeitgeber stehst. Oder du dich einer größeren Sache verschreibst und anderen folgst.

“Ich muss es korrekt und richtig machen!” ist die Grundmotivation dieses Teils.

Typ 7: Intensität

Dieser Teil will Spaß, Aktion, Power und immer in Bewegung sein. Er liebt es zu spielen, zu wetten, etwas zu riskieren.

Diese Intensität muss nicht immer körperlicher Natur sein. Es kann genauso gut der Computer, Alkohol, Fernseher, ein spannender Roman oder auch Essen sein. Hauptsache es ist immer was los.

“Ich will was erleben!”, ist hier das Credo.

Typ 8: Macht

Ein interessanter Typ, der oft leichtfertig mit “machtbesessen” verwechselt wird. Aber es kann genauso gut der “gute König” sein, der umsichtig und gerecht sein Land regiert. Oder der Firmenpatriarch, der sein ganzes Leben in sein eigenes Unternehmen gesteckt hat.

In diesem Teil schlummern deine Visionen. Dieser Teil will etwas zu deinem Wohl UND zum Wohl “deiner Leute” (wer auch immer das ist) verändern!

“Ich will etwas bewegen!”, sagt dieser Teil!

Typ 9: Harmonie

Der Harmonieteil in dir möchte mit allen zurechtkommen, nirgendwo anecken und es sich mit niemandem verscherzen.

Dein Harmonieteil ist es auch, der dich manchmal daran hindert, zu extreme Ansichten auszuposaunen. Du willst ja niemandem auf die Füße treten. Gleichzeitig kannst du alle Seiten verstehen und jeder Meinung noch eine positive Grundaussage abgewinnen.

“Ich will, dass es allen gut geht!”, sagt dieser Teil!

***

Nach unserem Schweinsgalopp durch die neun Persönlichkeitstypen, wirst du jetzt festgestellt haben, dass manche dir mehr entsprechen und andere weniger. Wir alle haben jeden dieser neun Typen in uns. Auch wenn sie sich manchmal gut verstecken können.

Welcher Typ bist du?

Ja, du trägst alle Typen in dir! Aber welche sind die in der ersten Reihe? Welcher Typ spricht dich am meisten an und welche sind noch wichtig?

Ist da ein Integritätstyp? Gibt es da das Streben nach Fürsorge, Anerkennung, Individualität, Wissen, Sicherheit, Intensität, Macht und Harmonie?

Es geht hier jetzt nicht um einen expliziten Persönlichkeitstest. Schau einfach mal, was dich am ehesten anspricht.

Bei vielen Menschen wird sich ein Typ als dominierend herausstellen und ein paar andere als untergeordnet wichtig.  Wenn das bei dir nicht so ist, dann arbeite mit allen, die dich ansprechen.

Welcher Typ ist dein Chef …?

… oder eine andere relevante Person?

Welche Wesenszüge entdeckst du dort wieder? Und Vorsicht! Schau genau hin! Nicht immer ist deine erste Vermutung zum Persönlichkeitstyp die richtige.

Es geht hier nicht darum, dein Gegenüber zu stigmatisieren, sondern darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was dem anderen wichtig sein könnte. (Sehr gut klappt, dass wenn du dazu die Wahrnehmungsposition wechselst.) Auch in dieser Person wirst du, je nach Situation, wieder mehrere Typen finden.

Warum kommt es zu Konflikten?

Damit sind wir wieder am Anfang und bei dem Satz:

“Menschen denken unterschiedlich!”

Und jeder neigt dann dazu, sich selbst in der Opferposition zu sehen und den anderen als Täter.

Was passiert wohl, wenn du ein Intensitätsjunkie mit Visionen bist,. dein Gegenüber aber ein Sicherheitsfanatiker, der Angst vor Fehlern hat?

Was passiert, wenn dir Fürsorge und Integrität wichtig sind, das System (nicht immer ist dein Gegenüber ein Mensch) aber aus Sicherheit und Gehorsam besteht?

Es wird mit Sicherheit zu offenen oder verdeckten Konflikten kommen. Manche brechen aus, manche brodeln unter der Oberfläche. Aber beide machen dich unzufrieden.

Auch wenn gleiche Typen aufeinander prallen, kann es zu Problemen kommen.

Was passiert wohl, wenn die “arische” Mutter, mit (Für)Sorge um ihre Kinder auf eine engagierte Flüchtlingshelferin trifft? Beide sind vollkommen unterschiedliche “Helfertypen”.

Wie interagieren zwei “gute Könige” mit unterschiedlichen Visionen für ihr Land oder ihr Unternehmen. Nun, im schlimmsten Fall mit Krieg.

Wichtig ist also nicht, mit jemand anderem möglichst gleich zu sein, sondern sich auf den anderen einstellen zu können.

Was nun?

Rekapituliere noch mal die neun Persönlichkeitstypen und schaue, welche bei dir anschlagen.

Dann überlege, wie dein Gegenüber in einer bestimmten Situation reagiert hat. Welcher Typ (oder auch mehrere) stand damals vielleicht im Vordergrund?

Integrität, Fürsorge, Anerkennung, Individualität, Wissen, Sicherheit, Intensivität, Macht oder Harmonie.

Ging es dem anderem um Sicherheit oder um Anerkennung? Hat er sich in seiner Freiheit eingeschränkt gefühlt, oder hast du gegen seine moralischen Maßstäbe verstoßen?

Die Position, die derjenige vertritt (z.B. ”Nein!”) kann die gleiche , aber das dahinterstehende Interesse vollkommen unterschiedlich sein.

Wenn du weißt, um welches Thema es eigentlich ging, kannst du zukünftig anders reagieren und Konflikte entschärfen.

Dann kannst du dir überlegen, wie du zukünftig das Sicherheitsdenken oder den Anerkennungstrieb des anderen mit deinem Bedürfnis nach Freiheit oder etwas anderem verknüpfen kannst.

Was tun?

Notiere dir die neun Persönlichkeitstypen irgendwo und versuche sie immer mal wieder zu rekapitulieren. Nicht dogmatisch nach Lehrbuch, sondern spielerisch. “Wer regt sich da in mir?”, “Wer vielleicht im Anderen?”.

Integrität, Fürsorge, Anerkennung, Individualität, Wissen, Sicherheit, Intensität, Macht oder Harmonie.

Und dann versuche zunächst Konflikte aus der Vergangenheit anhand dieses Wissens einzuordnen. Worum ging es dir und worum dem Anderen?

Mit der Zeit wirst du dieses Wissen auch in akuten Situationen anwenden können. Du wirst Situationen anders erleben und einordnen können. Oft kommt es dann gar nicht mehr zum Konflikt, weil du schon im Voraus adäquat reagieren kannst.

Hau den ersten Stein um und lerne dich und andere besser kennen!

Moritz

***

PS: All Life is yours! – Das Leben gehört dir!

PPS: Ich habe mich an den 9 Leitwerten von Adrian Schweizer orientiert und sie durch das Enneagramm und die acht Kommunikationsstile von Schulz v. Thun ergänzt.

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

Alle Bilder von unsplash.com oder privat