9 Dinge

Müssen unzufriedene Beamte kündigen? – 4 Perspektiven

Ob unzufriedene Beamte kündigen müssen um wieder mehr Erfüllungin ihrem Leben zu spüren, hängt doch sehr von den Gesamtumständen ab.

Was stört dich überhaupt?

Diese Frage sollten wir definitiv als erstes klären. Ich habe das für
mich gemacht und ich zeige dir, wie du das auch für dich machen kannst.

In diesem Beitrag betrachten wir unseren Beruf daher aus
verschiedenen Perspektiven. Nicht mehr Contra- gegen Pro-Argumente,
sondern umfassender bzw. ganzheitlicher. In welchem Bereich liegen denn
unsere Probleme? Was ist gut an unserem Beruf und warum wollen wir ihn
vielleicht trotzdem nicht mehr haben?

Ist es der Beruf der uns stört, oder ist es das Drumherum. Und was
müssen wir machen, damit das, was uns stört, verschwindet. All diesen
Themen widmen wir uns in einer vierteiligen Serie. Heute beginnen wir
mit den 4 Perspektiven. Sie helfen dir bei der besseren Beurteilung
deiner beruflichen Situation.

***

Ich wette, du kennst den folgenden Dialog:

„Du hast einen sicheren Job, da wären andere Leute froh drum!

„Ja, aber ich will selbst bestimmen dürfen.“

„Es wird gut bezahlt, das musst du draußen erst mal verdienen.“

„Ich sehe aber oft keinen Sinn in meiner Arbeit!“

„Was ist mir Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Da müssen andere Menschen für kämpfen.“

„Ja, alles richtig! Aber es befriedigt mich nicht!“

„Ach, du mit deinen Träumereien. Das Leben ist kein Ponyhof!“

Es ist egal, ob du dieses Gespräch mit dir selbst führst oder mit
jemand anderem. Der Ablauf ist immer gleich. Beide Parts reden eine Zeit
lang über ein bestimmtes Thema. Und so richtig kommen sie auf keinen
grünen Zweig.

Sie reden immer weiter aneinander vorbei und je länger das Gespräch
dauert, desto mehr reagieren beide mit Unverständnis auf den anderen.

Doch was passiert hier gerade? Was ist das Problem? Warum klappt hier keine Verständigung?

Nun, vielleicht wirst du mir Recht geben, wenn ich behaupte, dass
beide über vollkommen unterschiedliche Dinge sprechen. Auf der einen
Seite werden nur rationale Merkmale wie Arbeitsverhältnis, Gehalt und
Teilzeitmodell genannt. Und der andere Part argumentiert mit emotionale
Werten wie Erfüllung, Selbstbestimmung und Sinn. Und das kann beides
ziemlich unterschiedlich sein.

Dieses Gespräch kann noch Stunden so gehen. Am Ende sind beide frustriert: “Warum kapierst du es denn einfach nicht?”.

So was ist schon schlimm, wenn es um ein Gespräch mit einem anderen
Menschen geht. Richtig übel wird es aber, wenn du selbst diesen Inneren Dialog wieder und wieder durch den Fleischwolf drehst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, so etwas laugt dich total aus.

Und die ewigen Zweifel: Soll ich? Soll ich nicht? Die machen dich fertig!

Aber wir – du und ich – wir sind ab heute schlauer!

Wir machen das anders. Wir betrachten nämlich ab heute deinen Beruf
ganzheitlicher. Also von beiden Seiten – nein, besser gesagt von allen
vieren!

Ja genau! Und zwar …

Aus vier Perspektiven:

  • Deine Persönlichkeit: dein Charakter, das was du fühlst, was du willst und deine Werte.

Frage: Passt dein Beruf zu deiner Persönlichkeit und deinen Überzeugungen?

  • Das Miteinander: welche Kultur herrscht bei dir in der Arbeit vor? Wie ist die Wertschätzung? Wie wird mit Konflikten umgegangen?

Frage: Passt du in deine „Firmenkultur“ in dein Team usw.?

  • Dein Verhalten / Deine Jobbeschreibung: Wie handelst du? Was kannst du gut? Wie ist dein Auftreten?
    Aber auch, was muss man in deinem Beruf können? Was sollst du dort tun? Wie würdest du deinen Job von außen beschreiben?

Frage: Passt dein Beruf zu deinen Fähigkeiten? Was hast du für einen Beruf?

  • Die Struktur: wie ist das System aufgebaut? In
    welchem Rahmen läuft Kommunikation ab (Email, Treffen, direkt, indirekt,
    hierarchieübergreifen)? Welche Hierarchieebenen und Abhängigkeiten gibt
    es?

Frage: Passt dieses System zu deiner Persönlichkeit?

***

Anmerkung: Am Beispiel Fähigkeiten kann man gut
zeigen, dass die Übergänge der Perspektiven fließend sind. Geht es um
die von außen sichtbaren Fähigkeiten (du kannst gut / nicht gut vor
Gruppen sprechen; du kannst fließend Spanisch; du bist eine
Sportskanone), dann ordnen wir das Perspektive 3 (außen/individuell) zu.

Geht es aber um Fähigkeiten, wie auf sein Inneres zu hören,
Lernbereitschaft, Empathie, also um Fähigkeiten, die das Innere
betreffen, dann ordnen wir sie Perspektive 1 (innen/individuell) zu.

Wenn ich im Weiteren von Fähigkeiten spreche, dann meine ich damit die (sichtbaren) Fähigkeiten der 3. Perspektive.

4-Perspektiven

Die beiden rechten Perspektiven (3 und 4) sind also die rationalen
Perspektiven, die von außen beobachten. Die beiden linken Perspektiven
(1 und 2) zielen auf das emotionale Innenleben.

Die oberen Perspektiven (1 und 3) betrachten das Individuum (dich
oder deinen Job), die unteren beiden (2 und 4) das Kollektiv bzw. das
System.

Bestimmt erkennst du leicht, wie in unserem Anfangsbeispiel also die
rationale Perspektive 3 (rationale Beschaffenheit des Berufes) gegen die
emotionale Perspektive 1 (subjektive Erfüllung des Einzelnen)
argumentiert hat. Und genau das hat zu dieser Sackgassenkommunikation
geführt.

Beachte alle vier Perspektiven

Diese vier Perspektiven sind an dem 4 Quadranten-Model
von Ken Wilber angelehnt. Es besagt, dass man jedweden
Lebenssachverhalt, jedwedes Problem oder jede Frage unter diesen vier
Gesichtspunkten (innen – außen; individuell – kollektiv) sehen kann.

Dabei gilt, dass alle vier Perspektiven die gleiche Berechtigung
haben und Störungen in einem Bereich auch immer Auswirkungen auf die
anderen Bereiche haben. Nicht alle Perspektiven sind immer gleich
wichtig, aber wir sollten alle beachten.

So, das war’s jetzt auch mit dem theoretischen Teil. Schauen wir uns
zunächst lieber an, was das so bringt und wie das so bei mir war:

Wie ist das bei mir?

Als kleiner Rebell fange ich jetzt nicht bei eins an, sondern bei drei. Einfach so, weil ich es kann.

Dritte Perspektive (außen / individuell)

Aus dieser Perspektive passt mein Job als
Kriminalbeamter super zu mir. In meinem Bereich konnte ich relativ
selbstständig arbeiten. Ich hatte immer mal Einsätze, konnte in Teilzeit
arbeiten und Elternzeiten nehmen. Ich habe alle Vorteile, die das
Beamtenleben so mit sich bringt, genossen (siehe auch 4. Perspektive).

Auch anders herum hab ich gut zu dem Job gepasst. Ich hab eine
schnelle Auffassungsgabe, bin korrekt, wenn es darauf ankommt, kann aber
auch Fünfe gerade sein lassen, wenn es nicht darauf ankommt. Ich kann
mich gut auf mein Gegenüber einstellen und bewege mich selbstsicher quer
durch die Hierarchien.
Ich könnt jetzt weiterschreiben aber es ist nicht nötig, weiter lauter Vorteile aufzuzählen.

Denn aus dieser dritten Perspektive heraus gibt es auch so schon ein
klares Doppel-Plus (++). Der Beruf des Polizisten allein betrachtet
passt objektiv gesehen perfekt zu mir und meinen Fähigkeiten. Obendrauf
noch die ganzen Vorteile, die das Beamtendasein bringt. Aber die sparen
wir uns jetzt.

Zweite Perspektive (innen / kollektiv)

Betrachten wir nun diese Perspektive, die Kultur und das Miteinander in meiner Organisation.

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen war meistens gut. Prinzipiell
sind alle nett und höflich zueinander. Formen von offenem Mobbing habe
ich selbst nicht erlebt (Ich will aber nicht sagen, dass es das nicht
gibt). Auch die Gemeinschaft als „Polizeifamilie“ war gut. Wer wusste,
wo er fragen muss, der hat seine Sachen oft auch auf dem kleinen
Dienstweg geregelt bekommen.

Unter der glänzenden Oberfläche kann man aber viele Probleme nicht
abstreiten. Leute, die nicht so gut ins System passen „sollen schon mal
weg“. Konflikte wurden nicht offen ausgetragen, sondern waren häufig
unter der Oberfläche verkrustet.

Die anderen Bereiche waren „Idioten“, wer zu viel seines Innenlebens
preisgab im Zweifel ein „Weichei“, usw. Es gab auch Neid und Missgunst
unter Kollegen. Und es gab einen Riss zwischen Führungs- und
Sachbearbeiterebene. Ich hatte oft nicht das Gefühl, dass die
Sachbearbeiter und ihr Können von den höheren Führungsebenen
wertgeschätzt werden.

Viel zu oft werden Mitarbeiter nur mit der nächstmöglichen
Beförderung, mit der nächsten Leistungsprämie, mit dem nächsten Zuckerle
ruhig gestellt. Wirkliches Interesse, warum jemand unzufrieden ist, und
dann auch daraus resultierende Maßnahmen habe ich kaum erlebt.

Aus der zweiten Perspektive gebe ich daher allenfalls ein neutral (0)
Tendenz zu minus. Wir waren ein gutes Team. Betrachtet man aber die
„Firmenkultur“ insgesamt, gibt es auch deutliche Kritikpunkte.

Vierte Perspektive (außen / kollektiv)

Betrachten wir die Struktur des Systems.

Ich habe in einer starren hierarchischen Struktur gearbeitet.

Im Durchschnitt konkurrieren etwa vier Mitarbeiter um eine Sprosse
etwas weiter oben auf der Karriereleiter. Pro Gewinner gibt es also drei
Verlierer.

So etwas wie Selbstverantwortung gibt es nicht wirklich. Es wird zwar
propagiert, aber in Wirklichkeit darf man nur absolut irrelevante
Entscheidungen selber treffen, oder welche die andere nicht treffen
wollen.

Das meiste was von unteren Ebenen an Kritik oder Warnungen nach oben
gemeldet wird, wird solange verwässert, bis oben nichts mehr ankommt.
Erst wenn es brennt, herrscht plötzlich Aktionismus und die Suche nach
Schuldigen beginnt.

Sinnvolle Restrukturierungen oder bereichsübergreifende
Zusammenarbeit wird viel zu oft unterdrückt oder zumindest stark
beschränkt.

Wenn man dem System etwas Gutes abgewinnen will, dann natürlich die
Sicherheit für alle Seiten (Zuständigkeiten, Lebzeitverbeamtung …).
Jeder weiß, was er hat und dass das die nächsten dreißig Jahre und
darüber hinaus so bleiben wird.

Dem System und damit der vierten Perspektive gebe ich ein Minus (-).
Es zerstört mit der Zeit so viel an Kreativität und Eigenmotivation
seiner Mitarbeiter.

Es ist im wahrsten Sinn des Wortes der berühmte Goldene Käfig, in dem wir sitzen.

Erste Perspektive (innen / individuell)

Und was sage ich selbst dazu?

Meine Motivation zur Polizei zu gehen war damals, einen spannenden
Beruf zu haben und etwas Sinnvolles zu tun. Und ich halte den
Polizeiberuf auch nach wie vor für sinnvoll. Ein Staat muss sich wehren
können auch wenn man über die Ausgestaltung sicherlich trefflich
streiten kann.

Wie schon gesagt, hat der Polizeiberuf von meinen Fähigkeiten her
auch super gepasst. Allerdings bin ich jemand, der eher
zukunftsorientiert und selbstverantwortlich denkt. Und
(Kriminal-)Polizei ist per se vergangenheitsorientiert und
fremdbestimmt. Das wäre aber alles noch okay gewesen. Ich hab mir immer
Arbeitsbereiche gesucht, in denen ich einigermaßen selbstständig
arbeiten konnte.

Was mich aber wirklich runter gezogen hat und was ich irgendwann
nicht mehr akzeptieren konnte, waren die bereits beschriebenen
Auswirkungen des Systems und des Miteinander. Ich habe irgendwann keinen
Sinn mehr darin gesehen, in so einem riesigen schwerfälligen System zu
arbeiten und es durch mein Tun oder Unterlassen zu unterstützen.

Es hat meinem Inneren widersprochen, Entscheidungen anderer dadurch
mitzutragen, dass ich sie ausführe, auch wenn ich dagegen bin. Ich
wollte mich nicht mehr um die korrekte Einhaltung von Norm 87-63 und
irgendwelchen Berichtspflichten kümmern.

Und ja, ich will immer noch etwas Sinnvolles machen. Nur glaube ich
mittlerweile, dass es für mich hunderte geeignetere Wege gibt, als das
zu tun, was ich da gemacht habe.

Wenn ich aus dieser 1. Perspektive eine Bewertung vergeben müsste,
dann würde ich ein (-) vergeben. Ja, der Polizeiberuf ist sinnvoll, nur
so wie ich ihn erlebt habe, hat er mich nicht mehr erfüllt. Für mich ist
es Zeit, zu gehen und mir etwas anderes zu suchen, bei dem ich Spannung
und Sinn finde.

***

Didaktisch wertvoll habe ich jetzt “rein zufällig” mit dem für mich
entscheidenden Punkt geendet. Der wichtigste Punkt für mich ist, dass
ich in meiner Arbeit keine Erfüllung mehr sehe. Ich will mehr! Das was
ich hab, reicht mir nicht mehr!

Nicht alles was man tut, muss immer Erfüllung bringen. Ich bin auch
kein Sinnsuch-Fanatiker. Ich mach gerne auch den ganzen Verwaltungskram,
wenn es einer guten Sache dient. Aber insgesamt habe ich genau das
nicht mehr gesehen. Es war in meinen Augen einfach zu viel Nonsens
dabei.

Was bringt das jetzt?

Was ist jetzt passiert? Wieso hab ich das gemacht? Ich habe meinen
Beruf aus vier Perspektiven beleuchtet. Rational und emotional und
gleichzeitig individuell und kollektiv. Was hat uns das gebracht?

Erinnerst du dich an das Einführungsbeispiel, da haben die
Perspektive drei und eins gegeneinander diskutiert und vollkommen
aneinander vorbeigeredet.

Das kann mir nicht mehr passieren, denn wenn mir jemand aus der
dritten Perspektive die Vorteile meines Jobs erzählt, muss und werde ich
nicht widersprechen. Im Gegenteil, ich hab selbst ein Doppel-Plus (++)
vergeben. Ich kann also sogar voll und ganz zustimmen. Wir könnten sogar
zusammen ein Loblied oder was auch immer anstimmen … und danach kann
ich erklären, warum ich trotzdem kündige (oder gekündigt habe).

Ob der andere mich dann versteht, ist seine Sache (Wenn er nur aus
der 3. Perspektive denken kann, wird er das wahrscheinlich nicht). Aber
ich kann ihn und vor allem mich selbst verstehen.

Ich kann jetzt auch viel besser die Vorteile meines Berufes
wertschätzen: „Ja, für mich als jungen Familienvater waren die
Möglichkeiten zur Vereinbarung von Familie und Beruf herausragend. Ja
der Polizeiberuf an sich hat Spaß gemacht!“.

Nein, es waren keine „weggeworfenen Jahre!“

Das kann ich jetzt mit voller Überzeugung sagen.

Genauso überzeugend – und ohne schlechtes Gewissen – kann ich jetzt
aber auch meine Gründe für die Kündigung vortragen. Ich bin nicht
zwischen Vor- und Nachteilen hin- und hergerissen. Im Gegenteil, ich
kann ganz klar beschreiben, was gut und was schlecht war.

Ausgesehen hat das bei mir also ungefähr so:

4-Perspektiven-II

Und bei dir?

Willst du auch als Beamter kündigen? Hast du auch schon oft über die
Nachteile deines Jobs nachgedacht. Und dann versucht, mit den Vorteilen
abzuwiegen? Kennst du solche inneren Streitgespräche wie unser
Einführungsbeispiel? Hat dich schon mal jemand von dem Unsinn deiner
Kündigungsgedanken zu überzeugen versucht und nur aus der rationalen
Perspektive heraus argumentiert:

“Sei doch vernünftig – denk doch mal deine Beamtenpension!” oder ähnliches?

Fühlst du dich sogar manchmal schuldig, weil du die Vorteile zwar siehst, sie dir aber keine Erfüllung mehr bringen?

Jetzt nicht mehr! Damit ist jetzt Schluss!

Denn genau wie ich es eben anhand meines Berufs beschrieben habe,
kannst auch du den deinigen jetzt unter diesen vier Perspektiven
betrachten.

Dabei geht es nicht darum, Punkte zu verteilen, nachher den
Durchschnitt zu errechnen und dann zu einem Ergebnis zu kommen. Es geht
darum, deine Situation erst einmal ganzheitlich zu betrachten und am
Schluss nach „Innen“ zu gehen und dich zu fragen ob es das noch ist.

Mit welcher Perspektive du dabei anfängst, ist dir überlassen. Ich
finde die dritte Perspektive am leichtesten, vielleicht bietet sich
diese also an. Aufgehört hab ich mit der ersten Perspektive, weil genau
hier bei mir der Hase im Pfeffer liegt. Das kann aber bei dir auch
wieder anders sein.

Vergib ruhig Punkte, so wie ich das gemacht habe. Die Skala ist
dabei natürlich vollkommen willkürlich. Egal ob von ++ zu — oder von
einem zu fünf Sterne oder eins bis zehn; es kommt am Ende nicht darauf
an, wo wie viele Punkte stehen. Nur die Tendenz ist wichtig.

Und natürlich sind die Zusammenhänge wichtig. Wie beeinflussen sich die
verschiedenen Perspektiven untereinander. Warst du vielleicht mal
innerlich von deinem Job überzeugt (so wie ich) und bist es jetzt nicht
mehr. Warum? Wo liegen die Probleme? Was hat dich dazu gebracht?

Oder hast du vielleicht damals einfach den falschen Beruf gewählt und er
passt gar nicht zu dir (3. Perspektive)? Wie erlebst du die
“Firmenkultur”? Und was denkst du über die Struktur und das System (oder
besser die Systeme) in dem du arbeitest?

In meinem Endlich-Bock-auf-Montag-haben-Programm zeige ich dir ganz genau wie das geht.

 

Fang an, deinen Job unter die Lupe zu nehmen. Und schaue, wie sich bei
dir die vier Perspektiven beeinflussen.

Ein paar Beispiele:

Bei mir war es so, dass mich der Umgang mit den Mitarbeitern (2. Position) und das starre System (4. Position) so massiv gestört haben, dass meine Überzeugung und Motivation (1. Position) ins bodenlose gestürzt sind. Es können aber natürlich vollkommen andere Konstellationen dabei herauskommen. Und die jeweiligen Lösungsansätze können dann auch vollkommen unterschiedlich aussehen.

Beispiel eins: Du bist ein junger Lehrer und merkst, dass du einfach keine fremden Kinder (2. Position) magst (1. Position). Es fällt dir einfach schwer, in ihnen das Gute zu sehen. Eigentlich bist du nur noch genervt. Vorne zu stehen und anderen etwas beibringen, kannst du aber richtig gut (3. Position). Vielleicht wäre Erwachsenenbildung oder Trainer was für dich.

Beispiel zwei: Oder anders, du bist Lehrerin und merkst, dass dir das Unterrichten einfach gar nicht liegt. Du magst es nicht (1. Position) und daher kannst du es auch nicht (3. Position). Du schreibst aber total gerne und machst Musik (auch 1. und 3. Position). Kinder magst du. Vielleicht findest du irgendwo etwas, wo du deine Schreibaffinität und deine pädagogische Ausbildung verwenden kannst. (z.B.: Schulbuchverlag, Lektorin, Schreibbüro, Werbetexten oder was weiß ich!) und kannst gleichzeitig Kindern Musikunterricht geben.

Beispiel drei: Du bist Polizist und wirst auf deiner Dienststelle gemobbt (2. Position). Den Beruf willst du wegen seiner Vorteile (3. Position) eigentlich nicht aufgeben und auch mit dem System (4.Position) hast du kein Problem. Vielleicht wechselst du einfach die Dienststelle (3. Position). Auf jeden Fall musst du an deinen Selbstbehauptungskräften (1. und 3. Position) arbeiten. Sonst passiert dir das dort irgendwann wieder.

Du siehst, die Ergebnisse einer solchen Betrachtung können vollkommen unterschiedlich ausfallen. Und genauso unterschiedlich müssen dann auch die Lösungsansätze sein. Niemand kann hier pauschal einen Tipp geben, was jetzt genau das Richtige wäre. Und nicht immer muss am Ende dann die Kündigung stehen! Vielleicht finden wir einen viel besseren Weg. Aber wenn dir selbst klar ist, in welchen Bereichen für dich die Probleme auftreten, dann kannst du darauf auch zielgerichtet reagieren. Nur zu sagen, ich bin Lehrer / Polizist / Verwaltungsbeamter und ich bin unzufrieden, reicht einfach nicht. Was macht dich unzufrieden?

Wenn dich der Artikel angesprochen hat, dann ist mein Endlich-Bock-auf-Montag-haben-Programm exakt das Richtige für dich!

Hau den ersten Stein um und schau durch alle Perspektiven!

Moritz

4 Kommentare zu „Müssen unzufriedene Beamte kündigen? – 4 Perspektiven“

  1. Hey,

    auch wenn ich bisher noch diesen einen Artikel gelesen habe, finde ich viele Situationen wieder in denen ich mich auch vor kurzem noch befunden habe. Ich habe, ebenfalls wie du Moritz, der Beamtenlaufbahn den Rücken zugewandt. Zugegebenermaßen war ich noch Beamter auf Widerruf (im Lehramts Referendariat) doch die Entscheidung einen Schlussstrich zu ziehen, fiel mir ähnlich schwer.
    Das man auf sein „inneres Bauchgefühl“ hören sollte kann ich an dieser Stelle nur bestätigen. Doch ich glaube auch, dass es enorm wichtig ist, dass man eine nahestehende Person hat, der man sich anvertrauen kann. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Zeit nach dem Austritt leicht für mich gewesen wäre, besser als vorher ist sie dennoch auf jeden Fall.
    Ich hatte beispielweise nach meinem Austritt das Gefühl etwas zu tun, was meiner Person vollkommen widersprach und so bin ich schließlich über den portugisischen Jakobsweg gepilgert. Nicht aus religiösen Gründen, denn gegen die Religion habe ich als studierter Historiker eine natürliche Antipathie entwickelt ;), sondern um einfach den Blick über den Tellerrand zu wagen, dem System zu entfliehen und meine Freiheit zu genießen.
    Was mir dieser Weg gegeben hat, auch wenn es nur zwei Wochen waren, ist schwer zu beschreiben. Völlig euphorisiert und überwältigt von den gesammelten Erfahrungen aus diesen wunderschönen Ländern, kann ich als neue Person zurück, voller Optimismus, Tatendrang und der Gewissheit den Mut gehabt zu haben, für mich das richtige getan zu haben.

    Die erste Entscheidung hat mich entkräftigt, disillusioniert und frustriert, die zweite Entscheidung hat mich von Grund auf umgekrempelt, bestärkt und mir neues Selbstvertrauen eingehaucht.

    1. Lieber Jan,
      gratuliere zu diesem mutigen Schritt. Und schön, dass du uns daran teilhaben lässt.
      Das was du kurz anreist, ist in der Tat ein ganz ganz wichtiger Punkt. Eine Person, die einem nahesteht UND die einen versteht (besser mehrere). Als Kündigungswilliger Beamter ist man halt für viele Leute einfach eine Art Alien. „Was? Denk doch mal an deine Pension“, „Sicherer Job“ und so weiter und so fort.
      Für die, die „verkopft denken“ (und das sind halt leider sehr viele / oder die meisten) ist das wahrscheinlich auch wirklich nicht zu begreifen.
      Ich glaube, wenn man in seinem privaten Umfeld keinen oder nur wenig Rückhalt hat, dann wird es ganz ganz schwer. Dann ist die Gefahr groß, dass Angst und Kopf gewinnen.
      Ich bin froh, dass auch bei dir der Mut und der Bauch gewonnen haben.
      Und was du über die Zeit nach dem Austritt schreibst ist auch wunderbar zu lesen.

      Gruß Moritz

  2. Lieber Moritz,

    vielen Dank für deinen Blog und dein hilfreiches Workbook!
    Ich bin ja schon lange am Grübeln und Analysieren, aber die Methode hat mir wirklich noch mal die Augen geöffnet und mich weitergebracht. Insbesondere der Abgleich zwischen den Kompetenzen, die für den Job erforderlich sind und den Kompetenzen, die ich mir zuspreche (3. Position) war sehr hilfreich, da es mir gezeigt hat, dass ich viele wichtige Aspekte beherrsche, andere aber nicht und dieser „Mangel“ es auch so anstrengend für mich macht. Und es zeigt auch, auf welche Kompetenzen ich bei einem Wechsel aufbauen kann.
    Ich durchforste auch schon länger das Internet nach Seiten/Literatur, die speziell auf die Problematik von Beamten eingehen und finde es super, dass du diese Seite hier gestartet hast, weil es wirklich sehr wenig gibt. Der „goldene Käfig“ scheint zu einem Tabu zu führen, über einen Ausstieg aus dem System öffentlich zu sprechen und es ist schade, dass sich bisher noch so wenige zeigen, die andere Wege gegangen sind.
    Also vielen Dank dafür und alles Gute auf deinem weiteren Weg!

    Vanessa

    1. Liebe Vanessa,
      vielen Dank für deinen super Kommentar und das nette Kompliment.
      Es gibt sinngemäß diesen wunderbaren Spruch: „Auf seinen Stärken aufbauen und nicht ewig an den Schwächen rumdoktern“. Gleichzeitig gilt auch, dass du Kompetenzen erlernen kannst. Aber gut wirst du vermutlich nur, wenn du den Willen dazu hast. Und den wirst du nur entwickeln, wenn das Ganze einen Wert für dich hat. Ein Beispiel, ich bin desolat in Französisch. Das hatte nie einen Wert für mich. Wenn ich mich nun aber aus freien Stücken entscheiden würde, in Frankreich zu leben, würde ich die Sprache wahrscheinlich sehr schnell lernen. Einfach weil mein Inneres mich dazu antreibt.
      Das bedeutet jetzt aber natürlich nicht, dass du dich einfach mehr anstrengen musst. Es bedeutet im Gegenteil, dass wir wissen sollten, was unsere Werte (Interessen, Leidenschaft, Berufung, unser Warum, … nenne es wie du es willst) sind. Und darauf aufbauend dann unser Fähigkeiten und unser Leben ausrichten. Schön, dass ich dir helfen konnte. Und bleib nie stehen.
      Und was du mit Goldener Käfig und Tabus sagt, ist 100% meine Meinung. Und dazu ist diese Seite da.
      Danke dir!
      Moritz

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