Beamtentum PKV GKV private gesetzliche Krankenversicherung

Krankenversicherung nach dem Ausstieg aus dem Beamtentum. Private oder Gesetzliche KV?

Für viele, die mit dem Gedanken spielen, aus dem Beamtentum auszutreten, stellt sich die Frage nach der Krankenversicherung. Welche Möglichkeiten gibt es? Darf oder muss ich von der PKV in die GKV wechseln? Was ist die 9/10-Regelung? Warum wird es komplizierter, wenn man älter ist? Und was ist eine kleine bzw. große Anwartschaft?

Dennis Jäger von den Finanz-Experten steht uns Rede und Antwort:

Ich will aus dem Beamtentum austreten. Was muss ich in Sachen Krankenversicherung beachten?

Du kannst je nach Status (selbständig oder sozialversicherungspflichtig angestellt) in der PKV verbleiben oder in die GKV wechseln. Dies ist möglich bis zu einem Eintrittsalter von maximal 54 Jahren.

Wie komme ich in die GKV? Gibt es hierfür eine Altersgrenze?

Du kommst in die gesetzliche Krankenversicherung, indem du ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis eingehst oder (wenn du vorerst erwerbslos bist)  du kannst über den Ehepartner mit in die Familienversicherung wechseln. Das Eintrittsalter ist auf 54 Jahre beschränkt.

Darf ich als ehemaliger Beamter in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, wenn ich in Rente gehe (9/10 Regelung)?

Ein Beamter kann nur dann in die GKV oder auch KVdR (Krankenversicherung der Rentner), wenn er einen Rentenanspruch hat und die sogenannte Vorversicherungszeit erfüllt. Ist ein Beamter jedoch bereits privat vorversichert, gibt es keine Möglichkeit in die KVdR einzutreten. Die Vorversicherungszeit für die GKV ist erfüllt, wenn in mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte des Erwerbslebens eine Mitgliedschaft in der GKV bestanden hat. Auch die Mitgliedschaft über eine Familienversicherung zählt hierbei mit.

Beispiel:
Du hast mit 25 Jahren angefangen zu arbeiten und warst hierbei in der PKV und beihilfeberechtigt (z.B. als Beamter). Im Alter von 40 Jahren kündigst du und bist anschließend sozialversicherungspflichtig angestellt und wechselst in die GKV. Du arbeitest bis 65 Jahren und gehst dann in Rente. Da du in der zweiten Hälfte deines Erwerbslebens (45 – 65 Jahre in diesem Beispiel) in der GKV warst, kannst du auch dann in der GKV bzw. KVdR bleiben.

Anders sähe es aus, wenn du erst mit 55 Jahren kündigst. Dann schaffst du es nicht mehr, 90% der zweiten Hälfte deines Arbeitslebens in der GKV versichert zu sein. Du müsstest zum Renteneintritt wieder die PKV wechseln.
 
Es kommt also sehr genau darauf an, wann die „Hälfte deines Erwerbslebens“ ist und ob du dich noch vor oder schon nach diesem Zeitpunkt befindest.
Ansonsten kann es eher Sinn machen, trotz Anstellung in der PKV zu bleiben und weiter Altersrückstellungen für deinen Vertrag zu leisten.
 
Im Zweifelsfall solltest du dich hier von einem Experten beraten lassen.

 

Für Ehepartner, die zu Zeiten der Erwerbstätigkeit ihres Ehegatten bei diesem in der gesetzlichen Familienversicherung waren, fällt mit dem Erreichen des Ruhestandes bzw. der Pension ein eigener Beitrag an. Denn in der gesetzlichen Krankenversicherung entfällt mit der Rente auch die Möglichkeit der Familienversicherung. Ehepartner oder Kinder müssen dann einen eigenen Beitrag bezahlen, unabhängig davon, ob man ein eigenes Einkommen hat oder nicht.

Wann bin ich gesetzlich pflicht- und wann freiwillig

versichert?

Wenn du ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis annimmst, bist du gesetzlich pflichtversichert. Es sei denn du hast ein Jahres-Bruttoeinkommen, das die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) übersteigt. Diese Grenze liegt derzeit bei 60.750 Euro.

Wenn dein Jahreseinkommen darüber liegt, kannst du dir aussuchen, ob gesetzlich oder privat versichert sein willst.

Wann macht es Sinn, als ehemaliger Beamter in der privaten Krankenversicherung zu bleiben?

Es kann Sinn machen, wenn man keine allzu große Familie hat (Stichwort Familienversicherung). Die Beitragsentwicklung, sowohl in der PKV als auch in der GKV, ist nicht vorhersehbar. Als freiwillig gesetzlich Versicherter zahlt man einen Beitrag nach Einkommen. In der PKV wird der Beitrag nach Alter und Gesundheitszustand berechnet. Eine individuelle Berechnung ist hier immer ratsam.

Wann macht es Sinn, eine „Anwartschaft” auf die PKV abzuschließen und was ist das genau?

Ist es bereits klar oder wahrscheinlich, dass die PKV in Zukunft wieder aufgenommen werden soll, macht eine Anwartschaft auf jeden Fall Sinn. Es wird zwischen der großen und kleinen Anwartschaft unterschieden:

„Kleine“ Anwartschaftsversicherung

Die kleine Anwartschaftsversicherung bietet nur das Recht, später den ursprünglichen Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung und Wartezeiten zu vereinbaren. Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse wegen zwischenzeitlich aufgetretener Erkrankungen oder sonstiger Risiken sind dann nicht zu befürchten. Auch eine Ablehnung ist ausgeschlossen.

Weitere Rechte sieht die kleine Anwartschaftsversicherung nicht vor. Es werden keine Altersrückstellungen während der Anwartschaft gebildet. Beim erneutem Versicherungsabschluss wird das zu diesem Zeitpunkt erreichte Eintrittsalter für die Beitragsfestlegung zugrunde gelegt. Dadurch ist der Beitrag stets höher als der Ursprungs-Beitrag. Dafür ist die kleine Anwartschaftsversicherung relativ günstig im Preis.  

„Große“ Anwartschaftsversicherung

Die große Anwartschaftsversicherung bietet die gleichen Rechte wie die kleine Anwartschaft. Darüber hinaus gilt bei einer späteren erneuten Tarif-Vereinbarung das ursprüngliche – und nicht das tatsächliche – Eintrittsalter. Der Versicherungsnehmer wird daher praktisch so gestellt, als ob er den Tarif nie verlassen hätte. Das wirkt sich positiv auf die späteren Beiträge aus. Wegen dieses erweiterten Rechts und der Notwendigkeit, Altersrückstellungen wegen Zugrundelegung des ursprünglichen Eintrittsalters zu bilden, erfordert die große Anwartschaftsversicherung allerdings deutlich höhere Beiträge als die kleine Anwartschaftsversicherung. Sie können bis zu 25 Prozent des eigentlichen Versicherungstarifs ausmachen.

Das kann vorteilhaft sein, wenn du im Rentenalter wieder in die PKV eintreten möchtest bzw. musst (siehe 9/10 Regelung).

Mit welchen Alternativen kann ich meine Krankenversicherungsbeiträge möglichst niedrig halten?

Alternativen sind in Deutschland leider kaum vorhanden. In der GKV wird rein nach Einnahmen berechnet, hier kann man nichts optimieren.

In der PKV kann man durch den Wechsel in andere Tarife und durch Erhöhung des Selbstbehaltes die Beiträge senken. Auch gibt es nach Zeiträumen ohne Rechnungseinreichung Beitragsrückerstattungen. So kann es sich durchaus „lohnen“, den einen oder anderen Husten beim Arzt selber zu bezahlen.

Wie gehe ich vor, wenn ich nach der Kündigung des Beamtentums für mehrere Monate oder Jahre im Ausland leben möchte?

Die meisten deutschen Tarife leisten im Ausland wenig und nur für begrenzte Zeit.

Hier empfiehlt sich, je nach gewünschter Leistung und der Dauer des Auslandsaufenthaltes eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Der Umfang und die Kosten sind hier sehr individuell und sollten definitiv einzeln beraten werden.

Kann ich nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eintreten?

Wenn man vor der Abreise und auch nach der Rückkehr gesetzlich pflichtversichert war (angestellt) dann kommt man ohne Probleme wieder in die GKV. Ist man hingegen freiwillig versichert (z.B. wenn man selbstständig ist), ist es ratsam oder je nach Krankenversicherung zwingend nötig, eine Anwartschaft auf die GKV abzuschließen, ansonsten kann die Wiederaufnahme unter Umständen verweigert werden. Speziell dann, wenn man krank von der Reise zurückkehrt.

Wenn ich in der PKV bleibe und meine Beiträge selber zahle, wie hoch sind meine Krankenversicherungsbeiträge im Alter ungefähr und wie kann ich die Belastung ggfs. verringern?

Je nach vorhandenem Beihilfesatz kann man, um eine erste Schätzung des Beitrages zu bekommen, diesen Satz auf seinen Monatsbeitrag aufschlagen.

Eine Optimierung kann, wie oben bereits genannt, über einen Versicherer/ Tarifwechsel und die Erhöhung des Selbstbehaltes gestaltet werden.

Auszug aus dem VVG (Gesetz über den Versicherungsvertrag):

[§ 199 Abs. 2 Beihilfeempfänger

Ändert sich bei einer versicherten Person mit Anspruch auf Beihilfe nach den Grundsätzen des öffentlichen Dienstes der Beihilfebemessungssatz oder entfällt der Beihilfeanspruch, hat der Versicherungsnehmer Anspruch darauf, dass der Versicherer den Versicherungsschutz im Rahmen der bestehenden Krankheitskostentarife so anpasst, dass dadurch der veränderte Beihilfebemessungssatz oder der weggefallene Beihilfeanspruch ausgeglichen wird. Wird der Antrag innerhalb von sechs Monaten nach der Änderung gestellt, hat der Versicherer den angepassten Versicherungsschutz ohne Risikoprüfung oder Wartezeiten zu gewähren.]

 

Wo kann ich mir zum Thema Krankenversicherung nach dem Beamtentum Hilfe und rechtliche Beratung holen?

Spezialisierte Versicherungsmakler (z.B finanz-experten.com) und einige Rechtanwälte leisten Hilfe und sind auch Ansprechpartner über das Vertragsverhältnis hinaus.

Noch Fragen?

Wenn du weitere Fragen hast, kannst du sie gerne direkt in den Kommentaren stellen.

3 Kommentare zu „Krankenversicherung nach dem Ausstieg aus dem Beamtentum. Private oder Gesetzliche KV?“

  1. Sehr geehrter Herr Jäger,
    ich bin in der ungewöhnlichen Situation, dass ich als Beamtin auf Lebenszeit für zwei Jahre beurlaubt bin und in dieser Zeit als Beamtin auf Widerruf eine Ausbildung beim Land absolviere. Können Sie mir sagen, ob ich für die Zeit in die GKV wechseln könnte oder Anspruch auf einen Anwärtertarif bei der PKV habe? Ich bin 44 Jahre und plane, nach der Ausbildung weiterhin als Beamtin zu arbeiten.
    Über eine Antwort freue ich mich, vielen Dank für Ihre Zeit.
    Mit freundlichen Grüßen
    Eva Herzog

    1. Hallo Frau Herzog, eine Anwartschaft in der PKV ist auf jeden Fall möglich und auch angeraten, damit Ihr Gesundheitszustand und die Rückstellungen (große Anwartschaft) gesichert werden. Ein Wechsel in die GKV (freiwillig versichert) ist möglich. In der Regel macht ein solcher Wechsel aber wirtschaftlich keinen Sinn. Ich hoffe Ihnen geholfen zu haben. LG Dennis Jaeger

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.