„Wenn wir in unserem Beruf dauerhaft gegen unsere eigenen Werte verstoßen,
werden wir unglücklich!“

Veit Lindau

Soweit, so gut – klingt einleuchtend – und vermutlich hat das jeder von uns so oder so ähnlich schon mal irgendwo gelesen. Als ich mich mit diesem Satz beschäftigt habe, dachte ich, es hätte mal wieder „Klick“ gemacht – aber ein viel größeres „Klick“ wartete im Verborgenen.

Klar, meine Arbeit muss Sinn machen!

Und Sinn hatte ich mit meiner früheren Tätigkeit, zwischen Berichten, Besprechungen und Jahresplanungen lange vermisst. Das ist es doch – wir alle möchten doch etwas Sinnvolles in unserem Leben machen, oder?

„Ich mähe für A13 (Gehaltsklasse bei Beamten) auch den Rasen! Ich würde nur gerne etwas Sinnvolles machen“ war einer dieser Sprüche, die mir noch im Ohr liegen.

Sinn muss es haben!

Ich habe damals insgesamt 14 Werte an mein Whiteboard geschrieben, die mir für meinen Beruf wichtig erschienen. Sinnhaftigkeit war einer davon, Authentizität ein anderer und Familie kam auch vor. Gegen diese Werte wollte ich nie wieder verstoßen.

Diskussion abgeschlossen?

Nein!

Denn um herauszufinden, welcher Wert denn nun für mich der wichtigste ist, habe ich eine einfache Priorisierungsmethode aus dem Coaching bzw. Projektmanagement angewandt: Vergleiche jeden Wert mit jedem anderen und entscheide dich immer für genau einen davon, den du dem anderen vorziehen würdest. Wenn du zum Beispiel zwischen „Wohlstand“ und „Weiterentwicklung“ entscheiden müsstest, welchen Wert würdest du dann nehmen?

Ich habe also jeden meiner Werte mit jedem anderen verglichen (Anleitung am Ende) und immer hinter den Gewinner einen Strich gemacht und am Ende ausgezählt, welcher Wert die höchste Anzahl hat.

Es hat mir schlicht die Sprache verschlagen!

Der letzte Wert war mit null Strichen: „Sinnhaftigkeit“.

Im ersten Moment dachte ich, ich hätte irgendeinen Fehler gemacht, ich schämte mich sogar ein bisschen

… aber dann fiel der Groschen endlich ein für alle Mal!

Es muss keinen Sinn machen!

Was ich tue – was du tust – muss keinen Sinn ergeben.

Du musst nichts Sinnvolles machen – „Sinnvoll“ was ist das überhaupt – es gibt andere Dinge, die viel wichtiger sind als das!

Du musst nicht nach Sinnhaftigkeit streben … Sinnhaftigkeit entsteht – genau wie Glück oder Flow – aus Situationen heraus, wenn du genau das tust, was dein Ding ist – wenn du aus dir heraus handelst und wenn du im Einklang mit dir selbst und deinen Werten stehst.

Sinn machst du nicht – Sinn entsteht.

Mach das, was dein Ding ist und du wirst damit Sinn produzieren und automatisch zufriedener werden.

Umgekehrt wirst du nicht unbedingt deswegen glücklich, nur weil du denkst, etwas Sinnvolles zu tun.

Ist das nicht ziemlich egoistisch?

Braucht die Welt nicht viel mehr Leute, die etwas Sinnvolles tun?

Doch natürlich. Aber der Weg dorthin ist eben ein vollkommen anderer.

Ein Gedankenexperiment: Stell dir vor, jemand kommt und zahlt dir 4000€ Brutto im Monat, damit du 30 Stunden in der Woche etwas mit Dominosteinen baust. Sonst gibt es keine Auflagen! Das wäre doch total sinnlos, oder?

Aber was würde passieren?

Mit der Zeit würden meine Konstrukte immer größer werden. Da mir sowas Spaß macht, wäre ich sicher mega kreativ. Meine Kinder würden mit bauen und nach einiger Zeit auch deren Freunde. Wir würden eine Dominosteinkette die Einfahrt runter bauen und später auch die ganze Straße entlang. Viele Leute würden mit der Zeit bei mir vorbeischauen und sich an meinen Konstrukten erfreuen. Ich hätte bald einen eigenen Youtube-Kanal, einen kleinen Fanclub und würde vielleicht auch meine eigene Dominostein-Marke haben.

Natürlich würde ich mir den Spruch „Hau den ersten Stein um“ schützen lassen. Tausende Kinder würden sich an meinen Aktionen erfreuen, weniger fernsehen, etwas über Holz und Statik lernen und mehr an der frischen Luft sein. Die 4000€ im Monat bräuchte ich bald nicht mehr und ich würde freiwillig und ohne, dass ich es merke, sicherlich mehr als 30 Stunden pro Woche „arbeiten“.

Würde das einen Sinn machen? Ganz bestimmt!

Denn Sinn entsteht, wenn du das machst, was dein Ding ist. Und ich mag Dominosteine – für dich wäre es vielleicht der langweiligste Job der Welt. Du würdest monatelang in deinem Kämmerlein sitzen und deine kümmerlichen Konstruktionen ergäben alles, nur keinen Sinn!

Ich weiß – ein extremes Beispiel – und wahrscheinlich eine Utopie, aber darum geht es nicht.

Es geht darum, dass du das machst, was dein Ding ist und was deinen Werten entspricht.

Dann entsteht der Sinn von ganz allein.

  • Als Krankenschwester, die den Alten und Kranken hilft.
  • Als Lehrer, der seinen Job so liebt, dass er trotz des Systems einen super Unterricht für seine Kinder macht.
  • Als Steinmetz, der den ganzen Tag kein Wort spricht, aber dessen Skulpturen tausende Menschen inspirieren.
  • Als Software-Entwicklerin, die Apps oder Webseiten entwickelt, die unser aller Leben bereichern und einfacher machen.
  • Als Entwicklungshelfer, der für die Ärmsten der Armen da ist.
  • Als Bankerin, die ihren Kunden „gute“ Finanzprodukte verkauft, die einen wirklichen Mehrwert liefern.
  • Als Polizistin, die den Menschen, mit Respekt begegnet und wirklich eine Freundin und Helferin ist.
  • Als Online-Marketer, der Produkte bewirbt, die unsere Welt ein bisschen besser machen.

Der Sinn entsteht dann, wenn du nach deinen Werten handelst und nicht dagegen verstoßen musst.

Und welche Werte zählen nun für dich?

Ich weiß es nicht – aber ich kann dir meine sagen.

Meine höchsten fünf Werte waren Authentizität, Spaß, Familie, Gerechtigkeit und Spannung.

Auf gut Deutsch:

Wenn ich machen darf, was mir Spaß macht – und das kann vieles Verschiedenes sein – wenn ich dabei sein darf, wie ich bin, wenn das Ganze mit meinem Familienleben vereinbar ist, wenn es dabei halbwegs gerecht zugeht und ich dabei neue Wege gehe, dann wird daraus Sinn entstehen.

Dieser Blog zum Beispiel.

Ich schreibe montagsfieber.de nicht, weil es Sinn macht, ich schreibe, weil mir das Spaß. Der Sinn darin ist nicht das Ziel, sondern das Ergebnis!

Moritz

Was bleibt für dich?

Handle mehr nach deinen Werten und weniger dagegen. Wenn du unzufrieden bist, dann finde heraus, gegen welche Werte du aktuell verstößt oder welche du ignorierst. Dann kannst du dich Schritt für Schritt in diese Richtung entwickeln.

Und du befreist dich damit auch von der Pflicht, etwas „sinnvolles“ tun zu müssen. Der Sinn entsteht auf dem Weg aber er ist nicht das Ziel!

Du musst die Welt nicht besser machen! Du wirst die Welt besser machen, wenn du nach deinen Werten handelst.

Und wie findest du nun heraus was dir wichtig ist?

  • Notiere dir mindestens 10 – besser mehr – Werte, die für dich jetzt gerade wichtig sind.
  • Vergleiche anschließend jeden Wert mit jedem anderen und gebe immer dem Gewinner einen Strich (den ersten der z.B. 15 mit den anderen 14, den nächsten mit den anderen 13, usw. – nicht lang überlegen, einfach raus mit der Entscheidung – das dauert 5 Minuten). Das gibt dir eine ungefähre Richtgröße, welche Werte dir wirklich wichtig sind und welche nicht ganz so.
  • Gegen welche Werte verstößt du in deiner aktuellen Situation am meisten und was macht dich daran unzufrieden?
  • Was kannst du (kurzfristig/ langfristig) machen, um das zu ändern?
  • Was kannst du heute und morgen tun, um mehr nach einem deiner wichtigen Werte zu leben?
  • Es spielt keine Rolle, ob du einen Wert vergessen hast oder ob sich zwei sehr ähneln. Erstens kannst du jederzeit nachbessern und zweitens geht es wie so oft im Leben nicht um richtig oder falsch, sondern darum, dass die ungefähre Richtung stimmt.

Du wirst nicht alles auf einmal ändern können, aber du kannst immer mehr darauf achten, was dir wirklich wichtig ist.

Welche kleinen Schritte kannst du heute in die richtige Richtung machen? Welche morgen und welcher große Schritt bahnt sich da vielleicht für die Zukunft an?

Wenn du weniger gegen deine eigenen Werte verstößt (verstoßen musst), dann wirst du mit der Zeit zufriedener werden – unweigerlich.

Wenn du mehr nach deinen Werten handelst, werden mit der Zeit Sinn und Zufriedenheit von ganz von allein entstehen. Weil du in deinem jetzigen Beruf wieder zufriedener wirst und deinen Sinn wieder lebst oder weil du umsteigst und etwas anderes findest, was dich mehr ausfüllt.

Egal was es ist, es wird Sinn machen. Nicht weil es muss, sondern weil er entsteht.

Hau den ersten Stein um und schreib deine Werte auf. Sie sind der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit.

Moritz

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

Alle Bilder von unsplash.com oder privat