Warum ich als Beamter kündige, welche drei Fragen mich auf meinen Weg führten und wie aus einem Samen ein schönes Bäumchen wurde.

Kennst du das? Du sitzt von Montag bis Freitag an deinem Schreibtisch und liest Zeugs das dich nicht interessiert. Du schreibst Texte, die keiner liest und führst Tabellen, die keine Relevanz für dich haben. Du wartest auf Entscheidungen, die andere für dich treffen. Du freust dich auf den Feierabend, auf Freitag und auf den nächsten Urlaub.

Und so geht das nun schon einige Jahre und zufrieden bist du damit natürlich nicht. Aber du hast dich halt irgendwann mal so entschieden. Jetzt ist es so, wie es ist und vielleicht ist es ja auch gut so. Denn du hast einen sicheren Job und verdienst damit genug Geld um deinen jetzigen Lebensstil zu finanzieren.

Wenn du das noch zehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Jahre so weitermachst, dann wartet irgendwann die Belohnung. Dann beginnt das Leben! Zufrieden bist du nicht, aber es könnte schlimmer sein!

Und im Prinzip akzeptiert du das, so wie es ist. Denn so ist es nun mal. Und so war es immer. Und so wird es immer sein.

Das große Rauschen

Nur in letzter Zeit, gibt es da immer wieder mal so ein kleines konstantes Hintergrundrauschen. Mal laut, mal leise aber irgendwie da.

Und vielleicht grübelst du schon tage-, wochen-, monatelang über irgendeiner Frage, ohne überhaupt genau zu wissen, wie die Frage eigentlich heißt? Du wägst immer wieder die gleichen Argumente gegeneinander ab und führst eine endlose innere Diskussion. Da die Eingangsfrage aber nicht klar formuliert ist, kannst du sie auch nicht beantworten. Und so geht es weiter, wieder und wieder.

Solange bist du eines Tages vielleicht entdeckst, was eigentlich deine Frage ist.

Bei mir waren es drei Fragen und meine ehrlichen Antworten, die mich dazu gebracht haben, als Beamter zu kündigen.

Die erste Frage hat sich anfangs im großen Rauschen versteckt und war für mich nicht klar formulierbar. Doch je öfter ich hinhörte, desto klarer wurde sie:

Bist du zufrieden, mit dem was du machst?

Anfangs hieß die Antwort noch: „Ja, aber …“. Dann irgendwann: „Eigentlich nicht, aber …“. Später: „Nein, aber …“. Und je ehrlicher ich bei der Beantwortung der Frage im Laufe der Zeit wurde, desto kürzer wurde die Antwort:

Nein!

Und die zweite Frage, die irgendwo tief in mir schlummerte, war:

Akzeptierst du das für den Rest deines Lebens?

Hier war die Antwort darauf ebenfalls nicht einfach. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde auch sie:

Nein!

Diese beiden Fragen für sich selbst zu beantworten, kann ewig dauern, aber je ehrlicher du dabei bist, desto leichter wird es.

Damit war mir noch nicht klar, dass ich kündigen werde. Der Samen war gefunden und ein Töpfchen Erde bereit.

Die inneren Kritiker:

Sobald ich mir das eingestanden hatte, kamen die Inneren Kritiker zu Wort, die behaupteten, dass …

  • ich froh sein kann, mit dem was ich habe!
  • es draußen auch nicht besser ist!
  • ich dankbar sein sollte, für das was andere für mich tun!

und sie fragten:

  • Wovon sollst du leben?
  • Was ist mit deiner Familie?
  • Was sagen deine Freunde, Eltern und Kollegen?
  • Was ist mit deiner Pension und deiner Versicherung?

Monatelang habe ich mir deshalb vorgespielt, dass es ja eigentlich gar nicht so schlimm sei und die Vorteile überwiegen. Aber immer wieder kam die Frage in meinen Kopf:

Bist du zufrieden, mit dem was du machst?

Und immer öfters hab ich sie mit „nein“ und nicht mehr mit „nein, aber …“ beantwortet.

Der Samen war gesät und die Erde gegossen.

Und stattdessen?

Dann kam die dritte Frage. Sicherlich kennst du sie. Und vielleicht denkst auch du immer wieder über sie nach:

Was würde ich machen, wenn Geld keine Rolle spielt?

Anfangs witzelst du vielleicht noch mit den Kollegen rum: Ich würde …

  • den Rest meines Lebens verreisen!
  • eine Baumschule gründen!
  • eine Flugschule aufmachen!
  • Bergführer werden!
  • Beamter bleiben aber in Teilzeit arbeiten!

Aber im stillen Kämmerlein, fragst du dich vielleicht ernsthaft: „Was würde ich machen, wenn …?“

Ich habe mir irgendwann ganz ernsthaft diese Frage gestellt. Immer wieder! Wochenlang! Und auch hier war es so, dass die Antwort immer kürzer wurde, je öfter ich mir diese Frage stellte:

Ich kündige!

Ja, ich würde als Beamter kündigen! Das war für mich damals eine wahnsinnige Erkenntnis. Wenn Geld nichts zählen würde, dann würde ich kündigen. Oder andersherum: Ich mache das, was ich mache nur, weil ich Geld dafür bekomme. Wenn Geld nichts zählen würde, würde ich etwas anderes machen. Ich bin also Söldner! Und in dem Moment kommt automatisch wieder Frage zwei ins Spiel:

Akzeptiere ich das für den Rest meines Lebens?

Nein!

Der Samen keimte und strebte zum Licht.

Aber Geld spielt doch eine Rolle!

Richtig, jeder von uns muss Geld zum Leben verdienen. Aber es gibt auch den Spruch:

Die einen finden Lösungen, die anderen Ausreden!

Eine abgedroschene Floskel, die es eigentlich nicht wert ist, hier geschrieben zu werden. Das Problem an ihr ist nur leider: Sie stimmt!

Wenn es dein Wunsch ist zu kündigen, dann kannst du für alle damit im Zusammenhang stehenden Probleme Lösungen finden. Oder du nutzt diese Probleme als Ausrede, um dir deine Wünsche nie erfüllen zu müssen.

Ich kenne alle Einwände, die es dagegen gibt, seinen Beamtenstatus aufzugeben. Ich hatte sie selbst einmal. Doch inzwischen lasse ich sie nicht mehr gelten. Ich wollte kündigen. Also brauchte ich dafür Lösungen.

Ein dünnes Pflänzchen erblickte das Licht der Welt!

Zweifel kommen und gehen!

Vielleicht kennst du das ewige Hin- und Her- zwischen Zweifel und Euphorie. Ich mach das jetzt! Oder vielleicht warte ich lieber doch noch ein wenig! Diesmal schaffe ich es! Aber was, wenn nicht?

Bei mir war das ein monatelanges gedankliches Ping-Pong-Spiel. Es kamen unentwegt Sätze in meinen Kopf wie:

Draußen ist es auch nicht besser!

Ich will aber frei sein!

Bleib bei dem, was du hast!

Es muss doch auch anders gehen!

Du musst für deine Kinder sorgen!

Du bist für dein Schicksal selbst verantwortlich!

Das dauerte ewig und es hat mich zeitweise auch unendlich runtergezogen. Ich war gefangen im Goldenen Käfig. Zu schön, um ernsthaft auszubrechen, aber halt doch ein Käfig! Egal in welche Richtung ich schaute, irgendwie war es immer doof.

Natürlich gab es auch gute Phasen, in denen ich mich in meinem Käfig wohl gefühlt habe und mir einredete, dass das nun mal so sein müsse. Aber irgendwann war sie wieder da, die Frage:

Bin ich zufrieden, mit dem was ich mache?

Und das Pflänzchen wuchs weiter!

Eine positive Zukunft malen!

Was mir dann wirklich geholfen hat, war auf die Initiative von Freunden hin einfach mal ins Blaue hinein meine Wunschstellenbeschreibung zu schreiben. Wie würde ich in einer idealen Welt arbeiten wollen. Das öffnet den Blick und gibt einen unglaublichen Perspektivenwechsel. Was würde ich tun, wenn ich vollkommen frei in meiner Entscheidung wäre. Die Worte Beamter, Hierarchie und lebenslanges Dienst- und Treueverhältnis kamen da irgendwie nicht vor. Nicht mal im Ansatz.

Und das Schöne daran ist, dass du dir diese Stellenbeschreibung immer wieder durchlesen und abändern kannst und sofort gute Laune bekommst.

Und dann hab ich für mich noch ein Ziel formuliert. Es klingt einfach, aber jeder, der schon mal in einer ähnlichen Situation war, weiß wie schwer das sein kann:

In fünf Jahren habe ich, außerhalb meiner Behörde, einen Job der mich ausfüllt. (Oktober 2015)

Als dieses Ziel formuliert und die Wunschstellenbeschreibung geschrieben war, gab es kein Zurück mehr.

Das Pflänzchen war ein Bäumchen geworden und es trug im Frühjahr 2017 zwei Blüten.

Und jetzt?

Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie es ist, wenn man nicht mehr ins System passt. Wenn man raus will und über eine Kündigung nachdenkt. Eins der größten Probleme ist, dass man niemanden hat mit dem man sich wirklich austauschen kann. Denn in den allermeisten Fällen kommen sofort die rationalen Gründe, wie Sicherheit, Pension und was weiß ich zur Sprache.

Aussagen wie, dass man einfach unzufrieden ist und etwas anderes machen will, werden im besten Fall belächelt. “Der werden ihre Flausen schon noch vergehen …”, “Der soll mal lieber arbeiten!”, “Sei doch vernünftig!” oder ähnliches.

Und genau dazu habe ich jetzt diese Plattform ins Leben gerufen. Um mit Gleichgesinnten in Kontakt treten zu können. Damit wir uns gegenseitig pushen können unsere Wege zu gehen. Denn ich glaube, dass deine und meine Fragen ziemlich ähnlich sind! Und ich glaube, dass wir es zusammen schaffen, sinnvolle Antworten darauf zu finden. Nicht mehr nur auf die Vernunft hören, sondern auch auf den Bauch.

Wichtig dabei ist mir zu erwähnen, dass die Kündigung nicht immer der Königsweg sein muss. Vielleicht finden wir für dich ja noch besserer Wege, das zu erreichen was du willst und dich wieder auf Montag zu freuen.

Mein Bäumchen wächst weiter. Aus der ersten Blüte ist meine Kündigung geworden. Aus der zweiten Blüte dieser Blog. Ich freue mich, dass wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen.

Hau den ersten Stein um und fange einfach an!

Moritz

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

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