Während du immer mal wieder über das Verlassen des öffentlichen Dienstes nachdenkst, pendelst du – wie ich damals – sicher auch zwischen den Vor- und Nachteilen.

Die Vorteile sind blühende Landschaften. Die Nachteile sind schroffe Klippen im „Tal des Todes“! Von einem Extrem ins nächste eben! Aber muss das so sein?

Einerseits schwärmst du von einer besseren Zukunft, andererseits hast du Angst vor dem Scheitern und der Blamage.

Das kann dich, wie so viele, bis in alle Ewigkeit blockieren. Eigentlich willst du. Das Herz und der Bauch schreien „Ja“! Aber dann kommt der Verstand und bringt dich wieder ins Grübeln über die möglichen Konsequenzen eines Scheiterns.

Und dann läufst du Gefahr, einfach nichts zu tun. Dort zu bleiben, wo du bist. Oder irgendwelche Alibi-Aktivitäten zu entwickeln, die dich in Wirklichkeit keinen Zentimeter voranbringen.

Ein Großteil der Menschen verändert nichts. Und hängt dann unglücklich weiter dem Trott nach.

Doch was kann denn eigentlich überhaupt passieren, wenn wir kündigen? Was bedeutet das überhaupt für unser Leben?

Was kann den schlimmstenfalls passieren? Warten wirklich die „Klippen des Todes“? Oder ist es in Wirklichkeit vielleicht doch alles gar nicht so schlimm.

Und Gegenfrage: Was kann denn bestenfalls passieren? Was wäre das Beste, was dir nach einer Kündigung passieren könnte? Blühende Landschaften?

Um diesem Hin und Her zwischen Traum und Zweifel, Engelchen und Teufelchen oder hell und dunkel zu entkommen, betrachten wir das ganze Thema doch mal einfach von allen Seiten:

Und zwar unter den drei Aspekten:

  • Was verliere ich …
  • Was bleibt gleich …
  • Was gewinne ich …

… wenn ich meinen Job kündige?

Zu jeder dieser Fragen lohnt es sich eine Liste anzulegen, in die alles reinkommt, was dir zu der jeweiligen Frage einfällt. Diese Liste muss nicht in einem Zug erstellt werden. Sie kann leben und wachsen. Immer, wenn dir was Neues zu dem Thema einfällt, dann rein damit. Du kannst eine solche Liste zu jedwedem Ziel oder jeder Frage, die du hast anlegen. Sie ist nicht auf berufliche Fragen beschränkt:

Hier in meinem Beispiel lautet die Frage jetzt aber:

Was passiert, wenn ich meinen Job als Beamter kündige?

Ich gebe zu, das ist nicht mein finales Ziel. Denn natürlich will ich nicht nur kündigen, sondern auch etwas sinnvolles Anderes machen. Aber eins nach dem anderen. Jetzt geht es hier nicht darum, was ich alternativ mache. Es geht nur um die Kündigung an sich. Das soll für mich in dem Moment reichen.

Wenn du aber natürlich schon ein konkretes Ziel im Sinn hast (z.B. Tierpfleger werden, selbstständig machen, die Welt bereisen oder was auch immer), dann immer her damit. Formuliere die Zielfrage einfach um.

Und wenn es für dich an der Stelle noch gar nicht um Kündigung geht, dann hast du vielleicht eine andere geeignete Einstiegsfrage … immer her damit!

Fangen wir an. Und zwar natürlich mit dem nicht so schönen:

Was verliere ich wenn ich meinen Job kündige?

Du willst auch raus aus dem Goldenen Käfig?

Schön!

Doch wie wir schon festgestellt haben, hält dich bislang irgendetwas davon ab. Sonst würdest du nicht diese Zeilen hier lesen.

Denn wenn du Angst oder Zweifel vor etwas hat, dann heißt das, dass es dir etwas bedeutet. Wenn dir etwas vollkommen egal wäre, dann hättest du keine Zweifel.

Es ist gut und wichtig, dass wir uns Gedanken machen. Denn auf unserem Weg werden wir vieles verlieren und auch einiges riskieren. Wir können nicht alles vorhersehen, aber wir können uns auf diese Risiken vorbereiten.

Sprechen wir das, was wir fürchten zu verlieren, nicht offen an, kann uns das entweder unterbewusst behindern oder es tritt nachher tatsächlich ein, weil wir uns nicht darauf vorbereitet haben.

Gestehst du dir also nicht ein, dass du z.B. Angst hast, dein soziales Umfeld zu verlieren, wird dich das direkt oder indirekt blockieren. Denn dein Unterbewusstsein wird dann Störfeuer absenden und dein Ziel mal mindestens deutlich erschweren, wenn nicht sogar verhindern. So in etwa wie ein “Bodyguard”, der dich davor schützen will, etwas zu verlieren.

Stell dir jetzt also bitte eine Situation in der Zukunft vor, in der du dein Ziel erreicht hast! Du, in ein, zwei oder ein paar Jahren. Wo bist du da? Bist du alleine oder in Gemeinschaft? Was siehst du? Was hörst du?

Und jetzt lass deine Gedanken schweifen. Schreib jetzt alles auf, was du im Gegensatz zu heute verloren hast. Es können kleine Dinge sein und natürlich auch große. Lass dir Zeit, fang die Liste an und nehme sie dir vielleicht nachher noch einmal vor. Sei mutig und schreib alles auf, was dir einfällt.

Ich mache dir ein paar Vorschläge – aber: das sind meine Risiken. Es müssen nicht deine sein. Ergänze und streiche Sie bitte ganz individuell auf dich zugeschnitten!

Was verliere ich, wenn ich meinen Job kündige?

  • Ich verliere die Sicherheit meines jetzigen Arbeitsverhältnisses.
  • Ich verliere die Beihilfeberechtigung.
  • Ich verliere Teile meiner Pensionsansprüche.
  • Ich verliere meinen Status.
  • Ich werde die Kaffeerunden und das Mittagessen vermissen!
  • Ich verliere den Spaß, den ich manchmal an der Arbeit habe!
  • Ich verliere den Kontakt zu einigen liebgewonnen Kollegen und Kolleginnen.
  • Ich werde meine Chefs und Kollegen enttäuschen!
  • Ich verliere …

Sicherlich fallen dir noch mindestens zwanzig andere Punkte ein. Schreib so viele auf, wie du kannst. Lass die Liste ruhen und mach dann noch mal weiter. Und morgen auch noch mal. Dir werden plötzlich auch Sachen einfallen, die wichtig sind und an die du bisher noch nie gedacht hast.

Dieser Punkt – sich klarzumachen – was man verliert ist wichtig.

Erstens, solltest du dir einfach ganz klipp und klar machen, was eine Kündigung bedeutet. Finanziell, sozial und auch der ganze vermeintliche Kleinkram.

Und zweitens, kannst du dann den entsprechenden Punkten natürlich auch entgegensteuern. Wie kannst du in Zukunft befreundete Kollegen trotzdem noch treffen? Brauchst du Rücklagen vor einer Kündigung und wenn ja wie viele?

Warum beschreibt man z.B. im Projektmanagement seine Projektrisiken? Genau aus demselben Grund. Weil man bekannten Risiken entgegensteuern kann. Unbekannten aber nicht.

Hier darf dein Kopf arbeiten und sich mal so richtig Sorgen machen.

Hau also richtig einen raus und zähl auch die vermeintlichen Kleinigkeiten auf!

Was gleich bleibt, wenn ich meinen Job kündige?

Als nächstes machst du dir klar, was alles bleibt wie es ist?

Warum?

Einfach um zu realisieren wie viele Teilbereiche deines Lebens von einem Jobwechsel überhaupt nicht betroffen sind.

Je nach Stand deiner Planungen, dreht sich bei dir evtl. alles nur noch um die eine Frage und du denkst, dass dieser Schritt dein gesamtes Leben verändert. Das ist auch richtig und ja auch gewollt. Viele Teile deines Lebens werden sich grundlegend verändern. Aber noch viel mehr Teile werden von einer Kündigung vollkommen unbehelligt bleiben.

Damit nehmen wir der Kündigung einiges von ihrer Größe und Dominanz. Wir erkennen, dass es noch andere wichtige Dinge im Leben gibt.

Auch hier zähle ich wieder ein paar Beispiele auf, die für mich gelten. Es müssen nicht deine eigenen sein.

Was bleibt gleich, wenn ich meinen Job kündige?

  • Ich bleibe der Vater meiner Kinder und der Mann meiner Frau.
  • Der Beruf meiner Frau bleibt der gleiche.
  • Meine Freunde bleiben die gleichen. Die die es nicht bleiben, waren keine Freunde.
  • Der Supermarkt bleibt da, wo er heute schon steht.
  • Das Politische System wird sich wegen mir nicht verändern.
  • Meine Eltern bleiben meine Eltern.
  • Ich bleibe derselbe Mensch.
  • Die Alpen bleiben wo sie sind und ich kann da weiterhin zum Bergsteigen und Skifahren hinfahren.
  • Mein alter Job bleibt der gleiche, nur das ihn dann jemand anderes macht.
  • Die alten Kollegen bleiben die gleichen Menschen.
  • Bei … bleibt alles beim Alten
  • Der … bleibt gleich.
  • Ich bleibe gleich!

Streiche und ergänze auch hier nach Herzenslust, alles was dir einfällt.

Wie ich schon gesagt habe, nimmt diese Technik einer bevorstehenden beruflichen Veränderung die Größe und das Bedrohungspotenzial.

Natürlich soll die Kündigung nicht verniedlicht werden. Ganz im Gegenteil: Das wird eines der großen einschneidenden Ereignisse in deinem Leben.

Wenn es nicht so wäre, würde ich jetzt hier nicht schreiben und du nicht lesen.

Es werden aber eben nicht alle Lebensbereiche davon tangiert. Und genau das soll uns dieser Schritt vergegenwärtigen.

Hey, wenn doch so viel gleich bleibt, dann ist die Kündigung eben nur ein Schritt von vielen. Und andere Sachen sind entweder genauso wichtig, oder wie bei mir noch viel, viel wichtiger.

So wird dein Bauchgefühl beruhigt und das ewige Zweifeln kann Pause machen.

Und was gewinne ich, wenn ich meinen Job kündige?

Kommen wir nun zum schönsten Teil unserer Übung. Der Frage was wir gewinnen.

Bei ca. 97 % aller Befragten wird die Antwort wahrscheinlich „Freiheit“ und / oder „Selbstbestimmung“ oder etwas Ähnliches sein. Aber ist das wirklich alles? Ich hoffe nicht nur.

Sei auch hier wieder kreativ und schreib alles auf, was dir vor die Flinte kommt.

Was gewinne ich, wenn ich meinen Job gekündigt habe?

  • Ich habe die Freiheit für mich selbst zu entscheiden, was ich will.
  • Ich gewinne Achtung vor mir selbst.
  • Ich bin selbst verantwortlich für alles was ich mache.
  • Ich setze ein Zeichen!
  • Ich lerne Leute aus Bereichen kennen, zu denen ich momentan keinen Zugang habe.
  • Ich kann alles, was ich schreibe, raus blasen und muss nichts von anderen Instanzen korrigieren oder umschreiben lassen.
  • Ich werde ein anderes Umfeld kennen lernen und Dinge lernen, von denen ich derzeit nicht mal weiß, dass es sie gibt.
  • Ich werde viel Spaß an meiner Arbeit haben, weil ich das mache, was mir Freude macht!
  • Ich werde ein selbstbestimmtes Leben führen.
  • Ich kann meinen Kindern „das Rudern“ beibringen und nicht nur „das Rumsitzen“!
  • Ich kann …
  • Ich werde …
  • Ich gewinne …

Wenn du noch nicht genau weisst, was du mal machen willst, dann tu einfach so, als wenn du es schon wüsstest. Nimm einfach irgendeinen deiner möglichen Traumjobs und schreib auf, was du gewinnen würdest. Wenn du dich nachher um entscheiden willst, dann ergänz einfach weitere Punkte, es ist deine Liste.

Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt. Dann lass auch diese Liste ruhen. Nehme sie dir später, morgen oder in einer Woche noch mal zur Brust. Lese, schreibe, ergänze und bekomme dabei gute Laune.

Du wirst erkennen, wie vielschichtig auch dieser Bereich ist. Lass deinem Herz Platz zum Träumen und hau alles rein.

 ***

Jede Liste ist dabei natürlich total individuell. Je nachdem was du perspektivisch anstrebst (woanders verbeamtet oder angestellt sein, Selbstständigkeit, Weltreise oder was auch immer) werden natürlich vollkommen andere Ergebnisse herauskommen.

Fazit

Bei diesem Ansatz geht es nicht, wie bei einer klassischen Pro-und-Contra-Liste, darum, seinem Kopf vorzugaukeln, wir würden anhand von objektiven Kriterien entscheiden (die Entscheidung ist ja in der Regel davor gefallen und die Argumente werden dann passend zusammengesucht.)

Es geht darum, dein Ziel umfänglich und aus drei Richtungen betrachten können. Nicht als Entscheidungs- sondern als Umsetzungshilfe.

Denn die Verlieren-Liste erdet dich, wenn du dich Tagträumereien hingibst. Hey, es wird ein hartes Stück Arbeit! Und sie hilft dir einzuschätzen, an welchen Stellen dein Bodyguard Widerstand leisten wird.

Die Gleichbleiben-Liste stutzt das Ziel auf ein gesundes Maß herunter und nimmt den Schrecken. Hey, der Großteil bleibt gleich, auch wenn ich was Anderes mache.

Die Gewinnerliste-Liste zeigt, was alles möglich ist. Sie motiviert dich, alles für die Erreichung deiner Ziele zu geben.

So wirst du gleichzeitig geerdet (Kopf), beruhigt (Bauch) und motiviert (Herz). Das sind schon mal gute Voraussetzungen, um an der Erreichung deiner Ziele zu arbeiten.

Wie beschrieben, muss dein Endziel dabei noch nicht einmal feststehen. Wenn du noch nicht weißt, was du später machen willst, ist das Ziel erst mal nur die theoretische Kündigung. Tu einfach mal so “als ob”!

Wenn du schon weißt, wo die Reise hingehen soll, dann umso besser.

Erstelle dir eine solche Liste für deine Ziele.

Stell dir die Fragen?

  • Was verliere ich …
  • Was bleibt gleich …
  • Was gewinne ich …

… wenn ich nächste Woche / nächstes Jahr / in fünf Jahren / irgendwann mein Ziel erreiche?

Fang jetzt damit an! Und wenn dir erst mal nur zehn Dinge einfallen. Die Liste wird von alleine mit der Zeit immer weiter wachsen.

Hau den ersten Stein um und erstelle deine Liste!

Moritz

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Ich bin Moritz,

ich war 12,5 Jahre Kriminalbeamter, bevor ich den Goldenen Käfig 2017 verlassen habe. Heute bin ich Vater von drei Kindern, Ehemann,  IT-Consultant, Trainer und Coach.

Wir können das System nicht verändern. Aber wir können unser Leben verändern. Wenn du willst, können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Hau den ersten Stein um!

Alle Bilder von unsplash.com oder privat